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The Bhoys were back in town Glasgow Celtic zu Gast in Hamburg

Bereits als der HSV sich für den UEFA-Cup qualifizierte, träumten viele St. Pauli-Fans von einer Begegnung gegen Celtic. Doch als am 23.08.96 dieser Traum Wirklichkeit wurde, bedeutete dies für viele von uns auch 'ne Menge Streß. Da war zunächst das Kartenproblem, da die Ostkurve des Volksparks komplett gesperrt war, die Celtic-Fans somit auf der Südtribüne untergebracht wurden und die billigsten Plätze dort unverschämte DM 56,- kosteten. Der HSV ließ sich auch auf keinerlei Zusammenarbeit mit uns ein, so daß sich jeder auf eigene Faust sein Ticket besorgte. Das Hinspiel in Glasgow sahen wir uns in Finnegans Walke an: Eine blamable Vorstellung der "Hoops" wurde mit einem verdienten 0:2 quittiert. Nur 1000 mitgereiste HSV-er feierten ab während wir uns überlegten, wieviele Schotten denn jetzt wohl noch zum Rückspiel anreisen würden (es waren immer noch Massen, doch dazu später). Die ersten Celtic-Fans reisten Freitag vor dem Köln-Spiel an und ließen auf einer Party im Pfennig schon mal durchblicken, was die nächsten Tage bringen würden. Am Samstag kamen noch mehr und besuchten das Heimspiel gegen Köln und die anschließende Fan-Fete. Sonntags ging es dann zum Spiel der St. Pauli-Amateure nach Hannover. Der Montag brachte den erwarteten großen Ansturm: Busse, Flieger, Bahn und Fähre warfen eine Ladung Celtics nach der nächsten aus und schon nachmittags brannte im Fan-Laden und im Clubheim der Baum. Am Abend war der ganze Kiez fest in schottischer Hand, eine einzige grün-weiße Party, wohin man auch schaute. Ganze Kneipen (Irish Harp) wurden leergesoffen. Doch Negatives durfte natürlich auch nicht fehlen: Gegen 22:30 Uhr überfiel eine Rotte von ca. 40 HSV-Hools den Pfennig. Offensichtlich generalstabsmäßig geplant hatten sie vorher die Polizei mittels Telefon in eine andere Richtung gelockt, um dann ungestört zuschlagen zu können. Leider waren in dem Moment kaum Leute vor Ort: Viele Schotten waren auf Kiez-Bummel und viele St. Paulianer erwarteten die große Party fälschlicherweise erst für den Abend nach dem Spiel. So bewarfen sie zum Teil kleine Kinder mit Flaschen und Steinen und verschwanden wieder. Ein erstes Armutszeugnis stellte sich die Hamburger Polizei aus, indem der Wirt über 110 keine Verbindung bekam und sich erst über die Feuerwehr weiterverbinden lassen mußte. Am Dienstag herrschte ab Mittag quasi der Ausnahmezustand: Party überall. Als großer Treff war der Spielbudenplatz ausgemacht, wo es dann bei schönstem Spätsommerwetter hoch herging. Von HSV-ern war bis dahin so gut wie nichts zu sehen. Dortmunder (die ja angeblich DIE Fan-Freundschaft zu Celtic unterhalten) waren alles in allem vielleicht 20 anwesend (wir waren '93 zu 150 in Dortmund). Naja. Gegen 16:30 Uhr begab sich der große Treck per S-Bahn nach Eidelstedt und von dort aus zum Stadion und durch die Ostkurve auf die Südtribüne. Dort fanden sich ca. 4000 Schotten und schätzungsweise 500 St. Pauli-Fans ein. Ungeachtet was auf den einzelnen Karten stand, durfte man in einem großen B-- LOCK zusammenstehen (!), tat dies auch und legte über die gesamten 90 Minuten einen erstklassigen Support hin. Hinter einer mit Polizei besetzten "Pufferzone" befand sich ein großer B-- LOCK von HSV-Hools und Nazis aus anderen Städten. Diese machten aus ihrer Gesinnung ("Rangers", "UDA" etc.) keinen Hehl, und so verwunderte es nicht, daß so einige Wurfgeschosse die Seiten wechselten. Auch in der Halbzeit gab es einzelne Veranstaltungen (auch vor dem Spiel gab es einige Hauereien mit HSV-Skins vor der Ostkurve). Das Spiel sorgte mit großer Härte und drei Platzverweisen für einige Emotionen. Trotzdem schied Celtic verdient aus, wer hätte ernsthaft was anderes erwartet? Doch jedem war klar, daß der Abend noch lange nicht vorbei sein würde. Und so kam es dann auch: Ein großer Haufen HSV- etc. Hools konnte sich ungstört auf dem Heiligengeistfeld treffen und dann erneut den Pfennig angreifen. Doch diesmal waren die Leute vorbereitet und konnten den Angriff zurückschlagen und die Hools zerstreuen. In den einzelnen Seitenstraßen kam es noch zu Zusammentreffen und die Polizei nahm 30 Hools fest. Trotzdem ein (gewollter?) Skandal: Wie kann es angehen, daß die bereits im Vorfeld informierte Polizei zwei Abende hintereinander Angriffe auf eine Kneipe zuläßt? Beim zweiten Angriff lief ein Zug Cops 10m hinter den Hools her. Die Einsatzführung soll bei der Davidswache unter der Leitung von Bernd Metterhausen gelegen haben. Hat Herr Metterhausen (wie früher beim Konflikt um den Hafen) vielleicht ein eigenes (oder vorgegebenes) Interesse an einem erneuten Aufflammen der Gewalt auf St. Pauli? Wir sollten uns für die Zukunft was überlegen, denn von "Ehrenkodex" spricht bei den Hools eh keiner mehr. Und im egensatz zu früher können sich Hools und Faschisten offensichtlich ungstört im Viertel abseits der Reeperbahn rumtreiben. Ist ja auch klar: Die "Antifa" sitzt in ihren Wolkenkuckucksheimen im Schanzenviertel, während auf der Straße die wiedererstarkten Nazihorden fröhliche Urständ'feiern! Nichtsdestotrotz wurde in der Nacht noch das eine oder andere Bierchen geleert. Am Mittwoch galt es, einige Nachwehen zu verarbeiten: Einige Schotten waren verunglückt oder von HSV-ern zusammengeschlagen und beraubt worden. Ihnen wurde aber von St. Pauli-Seite geholfen, über das britische Konsulat Geld und Ersatzpapiere zu erhalten, um die Heimreise anzutreten. So, der Platz reichte lange nicht aus, um all die lustigen Schoten zu erzählen, die sich zugetragen haben. Alles in allem gab es aber mehr Licht als Schatten und wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit den Supportern des "grand old team"!! Der "SUN-Skandal" und die Folgen Einige Stunden nach Bekanntwerden der Auslosung rief ein Reporter der Glasgow-Sun im Fan-Laden an und stellte konkrete Fragen zum Verhältnis St. Pauli/Celtic und über den HSV und dessen Fans bzw. Hools. Diese wurden wahrheitsgemäß beantwortet. Einen Tag später erschien der Artikel: Die Überschrift ("Spießrutenlaufen für Celtic-Fans") war scheiße-reißerisch, die Fragen bzw. Antworten aber korrekt wiedergegeben. Auf HSV-Seite setzte nun eine regelrechte Stimmungsmache gegen den Fan-Laden bzw. den Fan-Beauftragten Sven B. ein. Abgesehen davon, daß sich von uns niemand vom HSV den Mund verbieten läßt, waren die Antworten im Text absolut wahrheitsgemäß, was z.B. die Verbindungen von HSV-Fans zu Rangers betrifft. Oder stimmt es etwa nicht, daß - in der Halbzeitpause des Amateurspiels HSV - St. Pauli am Rothenbaum nur Rangerslieder gespielt wurden und es dafür in der jüngsten Ausgabe des Ranger-Zines "Follow Follow" ein Lob gab? - im letzten "Supporter-News"-Heft des HSV ausschließlich loyalistische Wandmalereien aus Ost-Belfast abgebildet waren, die paramilitärische Gruppen wie UDA und UDF glorifizieren? - daß vor dem Spiel des HSV in Glasgow viele HSV-er in der "Loudon Tavern" tranken, einen bekannten Rangers-Treff mit besten Kontakten zu loyalistischen Paramilitärs und faschistischen Gruppen? Wie sollen wir es uns erklären, daß oben erwähntes Sun-Interview 3 Wochen nach Erscheinen, 4 Tage vor dem Hamburger Derby von HSV-Seite der Presse zugeleitet wurde? Wenn HSV-Manager Wehmeyer in diesem Zusammenhang sagt, die Begegnung HSV - Celtic ginge uns St. Paulianer nichts an, zeigt das nur, daß der Typ keine Ahnung hat. Wenn Uwe Seeler aber meint, man müsse bei solchen Begegnungen "national denken", wird's gefährlich. Denn abgesehen davon, daß wir unsere Freunde immer noch nach Sympathie und nicht nach Nationalität aussuchen, läuft es uns kalt den Rücken runter, wenn wir an das Auftreten der "national Denkenden" in Polen, beim letzten Derby (rassistische Schähungen von HSV-Seite gegen Emerson) und eben rund um's Celtic-Spiel denken. Kurzum: Der HSV hat sich von der Führung bis zum letzten Fan in den letzten Wochen um Jahre zurückgeworfen und hinterläßt bei uns die Frage, ob es in einflußreichen (Fan-) Organisationen beim HSV nicht vielleicht Personen gibt, denen das mehr als nur egal ist. (Bericht aus Übersteiger Nr. 23)
24.09.1996, [CSC-User]