Logo - St. Pauli CSC
 

aktuelle infos

über uns

club

berichte

artikel

fotos

links

faq

gästebuch

suche

Berichte

Who the fuck is Gazza ?! Ich nicht ! Glasgow-Tour ’96 10. – 15. Oktober 1996

War schon irgendwie blöde, von so gut wie jedem zweiten Schotten mit Gazza gerufen zu werden. Nur meiner Haare wegen, die wie ich finde übrigens das Gegenteil von denen Gazzas sind, hatte ich also meinen Ruf weg. Und dabei hat der echte Gazza gerade erst seiner Frau vier Finger ausgerenkt, sie blutig geschlagen und gemeint, das sei in ihrer Ehe so üblich... Doch was erzähle ich von Gazza? Viel interessanter ist es bestimmt für Euch, wenn ich ein paar Worte über den Trip nach Glasgow verliere! Um es vorweg zu nehmen: Ihr, die nicht dabei wart, habt etwas verpasst! (Ah, hallo Regnar!) Am Donnerstag, den 10.10. gings vom Heiligengeistfeld mit einem 75 Leute fassenden und natürlich rappelvollen Doppeldeckerbus los. Insgesamt eine knapp 25 Stunden-Fahrt inklusive Fährüberfahrt von Frankreich auf die Insel. Auf der Fähre machten wir es uns in einer fetten Lounge-Bar bequem, und so packten wir neben tonnenweise Dosenbier auch noch unser gesamtes Liedgut aus. Es wurde praktisch die ganze Zeit gesungen, hatten wir schließlich auch die Aufgabe, sowohl ein plattdeutsches, als auch ein irisches Balladen-Lied auswendig zu lernen. War selbstverständlich alles urkomisch und sehr alkbetont, wobei uns die vier Rostocker in unserer Gruppe als Trinkfesteste faszinierten. Ihr habt richtig gelesen, vier ROSTOCKER waren dabei, nämlich die Jungs von der Frösi. Und die sind bestens. Nach weiterer Busfahrt und kurzem Frühstücksaufenthalt in Carlisle kurz vor Schottland kamen wir gegen 15 Uhr an unserem Treffpunkt „Brazen Head", einem der vielen Celtic-Pubs in Glasgow an. Beim Bierchen wurden nun die Schlafplätze verteilt, wobei Muckel und ich nebst den Rostockern, Charly Körbel und Rene mit unserer Familie irgendwie die Arschkarte gezogen hatten. Ihr kennt doch sicherlich die Flodders, oder? Aber darüber wollen wir weiter keine Worte verlieren, denn schließlich dachten wir uns, dass uns diese Erlebnisse da sowieso keiner glaubt, Wir bekamen am nächsten Tag jedenfalls eine neue Unterkunft, und die war wirklich o.k. Da kam die allseits vorher angekündigte Gastfreundschaft der Schotten richtig durch. Wir wurden dann zwischenzeitlich noch von so 'nem Typ aus dem Brazen Head in so eine andere kleine Eckspelunke geführt, wo wir erstmal, nachdem wir unsere Herkunft und unser Anliegen schilderten, mit Bier zu Häuf beschenkt wurden. Und schon da faszinierte es uns, dass die Celtic-Supporters von klein auf bis ins hohe Alter, sowas von überzeugt in ihrem Glauben und ihrer Politik sind, wie selten zuvor irgendwo gesehen. IRA und immer wieder irische Rebelsongs, bei den Fans des ja irisch abstammenden Klubs Celtic weiß man woran man ist. Den späten Abend verbrachten wir dann nett im „Two Cranes"-Pub, ein weiterer kleiner Umtrunk halt mit den Schotten. Zu gefallen wußten auch die Live-Band und die eigens angestimmten Singsanglieder. Hier wurden die ersten Utensilien getauscht, und das ging ungefähr so: Da stehe ich nichtsahnend im Raum und lausche der Musik, da kommt ein kleiner Junge an, zieht an meinem Schal, hängt ihn sich um, gibt mir seinen Schal, sagt „thank you" und geht hin woher er gekommen. Wäre ja alles schön und gut gewesen, hätte er mir nicht einen solch fürchterlich neongelb-schwarzen Celtic-Schal als Gegenstück gereicht. Diese Farben vom neuen Celtic-Auswärtstrikot sind da ja gerade voll beliebt, doch ich kann mich mit diesen fiesen Dortmund-Verschnitt-Dingern wahrlich nicht anfreunden. Und so verschenkte ich ihn dann weiter. Am Samstag war's dann so weit. Endlich mein erstes Celtic-Spiel im Parkhead-Stadion! Wir hatten auch klasse Plätze in diesem gigantischen Stadion. Es ist zwar mit seinen jetzigen 47.000 Plätzen noch nicht ganz am Ende des Umbaus, doch reichte es schon zum Staunen. Natürlich nervten die Sitzplätze enorm, doch das ist auf der Insel ja schon lange eingeführt. Und wenn mal ein Lied angestimmt wurde, dann lief einem schon ein eiskalter Schauer über den Rücken. Phänomenal! An diesem Tag bewiesen die Celtic-Spieler kräftig, daß St.Pauli & Celtic einfach zusammen passen. Das Spiel war so schlecht! Ein Wunder, daß das Spiel nicht 0:0 endete. Denn danach sah es das ganze Spiel nämlich aus. Bis der große „only one Pierre" in der letzten Minute zum l :0 einköpfte. Das Stadion stand Kopf. Einmalig auch der Haß der Celtic-Fans auf ihre Stadt-Rivalen von den Glasgow Rangers. Jede Niederlage der Huns ist mindestens genauso schön wie ein Sieg der eigenen Elf und hilft natürlich auch, endlich wieder mal die Meisterschaft feiern zu können. Und so jubelten in einem völlig ereignislosen Moment plötzlich in einigen Ecken Leute und dieses Jubeln setzte sich im gesamten Stadion durch. Was war passiert? Ich suchte vergebens eine Anzeigentafel - doch die gibt es da nicht! Also fragte ich nach Ende dieses Euphoriesturms erstmal meinen schottischen Hintermann, der mir verklickerte, daß einige Zuschauer ein Radio dabei haben und jedes Gegentor der Huns lautstark feiern. Der Rest des Stadions weiß sofort bescheid - und jubelt kräftig mit. Unglaublich. Wir St.Paulianer hatten uns für dieses Spiel viel vorgenommen, wollten wir eigentlich das Spiel durchsingen. Das gelang uns allerdings nur phasenweise, lediglich die Halbzeitpause gehörte voll und ganz uns. Unser gigantisches „Megatranspi" aus ca. 30 Totenkopffahnen und einer braunweißen bewegte sich vom oberen Tribünenrand bis ganz nach unten, dazu wurde natürlich kräftig rumge"forza, forza!". Ihr wißt glaube ich was ich meine... Nach dem Spiel verteilten wir uns mal wieder in diversen Pubs, schlössen neue Bekanntschaften und und und, bis dann abends zur großen Party geladen wurde. Organisiert von Celtic-Fans, mit allem was dazu gehörte. Natürlich auch wieder Live-Musik, und die Bands wußten zu überzeugen. Am meisten gings bei „Eire Og" ab, hatte der Schlagzeuger auch meinen Freund Gazza im Visier, nämlich einen Aufkleber auf seinem Schlagzeug,.. Herrlich auch die „Republican Flute Band", die natürlich einen militärischen Tick, aber dennoch Kult hatte. Naja, und so verlebte man einen klasse Abend, tauschte das gegen das,lernte viele neue Leute kennen und trank und trank... Wie war das noch, ach ja! „Massive hangover" war die Übersetzung für den Riesenkater am nächsten Morgen. Und an diesem Sonntagmittag fand das Fußballspiel aller Fußballspiele statt: Celtic Glasgow - FC St.Pauli. Hieß, Fans gegen Fans. „Auswärtssieg! Auswärtssieg!" skandierten die rund 60 mitgereisten St.Pauli-Anhänger, doch mit unserem Sambafußball haben wir die Celts tatsächlich nicht überlisten können und verloren knapp mit l :5. Was soll's, war ein riesiger Spaß. Danach ging's, wohin auch sonst, in einen Pub, Diesmal in's MC Nee's, wieder mit Bier, wieder mit Live-Musik und, achte, einem Gewinnspiel! Das war so eine Karte mit ganz vielen Fußballmannschaften drauf, und für 50 Pens konnte man auf eine Mannschaft setzten. Mit auf der Karte war noch so ein kleines Feld zum Aufrubbeln, und dahinter stand dann der Sieger. Aus welchem Grund auch immer, ich glaube, weil kaum sonst noch was frei war, setzte ich auf Sunderland (Walking in the PiPa Sunderland") und gewann 20 Pfund! Voll schräge Sache und so gab es natürlich noch ein Bierchen mehr für unsere Gastgeber. Nach kurzem Abstecher ins Brazen Head, endete der Abend, jetzt wird's peinlich, in einer Disco über dem Pub, in der natürlich Techno, Techno und immer wieder Techno den Weg durch die Lautsprecher fand. Unsere anfängliche Verzweiflung schwand mit der Zeit und spätestens, als die Techno-Version von 99 Luftballons gespielt wurde, spackten alle ab. Aber hier machen wir einen Schnitt, das kann man nämlich in Worten nicht wiedergeben. Schauts Euch auf dem Video an, vorausgesetzt, wir trauen es uns, diese Szenen da auch mit drauf zu nehmen...mal sehen. Wie Ihr also unschwer erkennen könnt, bestand dieser gesamte Glasgow-Aufenthalt ausschließlich aus Feiern und Fußball. Mehr noch aus Feiern - und, äh, Bier. Bevor ich vom letzten Tag berichte, noch was zur Eßgewohnheit der Schotten. BSE und so etwas geht den Leuten da ja tatsächlich am Werweißwas vorbei, die stopfen sich von morgens bis abends das Rindfleisch rein, und halb Deutschland macht sich vor lauter Wahnsinnsgebammel faßt in die Hose. Schon schräge. Naja, am Montag trafen wir uns am Stadion, wurden durch die heiligen Hauen und auch auf die Haupttribüne geführt und durften Pokale zuhauf bewundern. Danach gab's ein fettes Essen (Achte: ohne Rind!) in der Jock Stein-Lounge im Stadiongebäude, Wenn Ihr wissen wollt, wer Jock Stein war, dann lest den letzten ÜBERSTEIGER, da steht's allzu genau drin. Dort besuchte uns übrigens noch Pat Bonner, ein langjähriger Celtic-Spieler, mitlerweile glaube ich Torwarttrainer, unterhielt sich ein bißchen und gab natürlich Autogramme. Eins auch für die PiPa. Juhu! Juhu! Ja, und dann war der Aufenthalt eigentlich am Ende angelangt, jetzt hieß es, in den Bus steigen und nach Hause fahren. Und - natürlich - Tränen vergießen. Eine Story bin ich Euch allerdings noch schuldig: Längere Zeit schon hatten vier liebe St.Pauli-Fans eine klasse zwei Wochen-Tour geplant. Erst Irland und dann in Glasgow dazu stoßen. Mit dem eigenen Auto, versteht sich. Also ging's los. Doch sie kamen nicht gerade weit: In Osnabrück ging das Auto schrott. Also zurrück, Auto reparieren lassen. Zweiter Versuch, los geht's. Und siehe da, Osnabrück lassen sie hinter sich! Doch so wie die vier von ihrem Glück verfolgt sind, geht das Auto erneut in die Brüche. Irgendwo im Emsland. Und zwar nicht nur irgendwie schrott, sondern richtig schrott. Die Reise können sie vergessen. Manu bekommt aufgrund ihres panischen Anrufs im Fan-Laden noch gerade einen Platz im Bus, und Mirko „Man gönnt sich ja sonst nichts" nimmt die Tour in seine eigenen Hände und kommt auch heil in Glasgow an, Tja, und die anderen beiden haben beschissener Weise die Arschkarte ziehen müssen. Aber, Regnar und Thorsten, macht Euch nichts draus. Pat Bonner war in Gedanken bei Euch. Also, in diesem Sinne, Danke nochmal an alle Organisatoren, und Tiocfaidh Ar La! (Bericht aus Pipa Millerntor Nr. 36)
15.10.1996, [Pipa Millerntor]