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Cén fáth a bhfuil Gaeilge agat?

Mit viel Losglück bekam Irland eine der interessantesten Qualifikationsgruppen für die WM (Island, Liechtenstein, Rumänien, Mazedonien, Litauen) zugewiesen. Nach dem 0:0 in Liechtenstein im letzten Jahr, wo noch ein Kleinbus voller St.Pauli-Fans hinfuhr, war das Interesse dieses Jahr sehr gering. Die Folge war, daß ich in ein mit HSV-Schals und Rostock-Wimpeln geschmücktes Auto aus Unna steigen mußte, um mit einem Iren, der die falschen Vereine gut findet nach Liechtenstein zu fahren. Den Rostock-Wimpel entfernte ich auf der Autobahn, was allerdings nichts an der Fahrweise des HSVer änderte. Nicht i nur keine Ahnung vom Fußball.... Liechtensteins Hauptstadt Vaduz verdoppelte an diesem Wochenende die Einwohnerzahl und Souvenirläden wurden erneut zu irischen Kneipen umgebaut. Insgesamt mischten sich ca. 2500 Iren unter die 3.900 Zuschauer und erlebten ein ungefährdetes und für irische Verhältnisse mitreissendes 5:0. 90 Minuten durchgehende Anfeuerung, die letzte halbe Stunde wurde ohne Unterbrechung "Fields of Athenrye" gesungen und der Aufforderung des Stadionsprechers "Don't go on the pitch" wurde mit Bravour nicht Folge geleistet. Auch hier gewannen die Iren alle Laufduelle, die Liechtensteiner Bullen glänzten mit Zurückhaltung und guten Haltungssnoten im Bodenturnen. Vor und nach dem Spiel gab es die üblichen bizarren Szenen in den Kneipen der Stadt, die dieses Jahr durch die Einladung der freiwilligen Feuerwehr Vaduz zur 100-Jahr-Feier noch leerer waren als üblich. Viele der Iren wurden per Flyer ins Festzelt eingeladen und zu später Stunde sollte es auch keinen Eintritt mehr kosten. Wir beugten uns dem Motto der Blauröcke! "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" und setzten uns über HSV-grölende Bayern-Fans und lautstark Volksmusik mitsingende Eingeborene hinweg, um, der Kultur der Iren folgend, auf den Tischen tanzend den "Jungen Klostertalern" zu lauschen. Das Bergvolk kannte alle Texte, boxte sich untereinander und ein elegant gekleideter Einheimischer holte sich, mitten im Zelt vor uns stehend, einen runter. Ein ganz normales Fest halt. Weniger normal waren die Vorkommnisse beim vier Tage später stattfindenden Pokalspiel im Norden Irlands zwischen Cliftonville aus Nord-Belfast und den Crusaders aus Süd-Belfast, das aus unerfindlichen Gründen im Stadion "Oval" von Glentoran in East-Belfast (streng-loyalistischer Bezirk) stattfand. Ca. 30 Anwohner blockierten die Anfahrtsstraße zum Stadion, da sie keine Cliftonville-Spieler oder Fans durch Ihr Viertel fahren lassen wollten. Sie vermuteten unter den katholisch-republikanischen Anhängern Cliftonvilles "einige Aktivisten der SinnFein & der IRA". In den Staus kam es zu einigen Konflikten zwischen den ebenfalls anreisenden und ebenfalls unionistisch-loyalistischen Crusaders-Fans und den Cliftonville-Supportern. Die RUC (nordirische Polizei) half lieber den 30 Protestierenden beim Blockieren der Straße, als diese kurz aus den Weg zu schaffen. Der Spieler-Bus wurde zum Stadion geleitet, so daß das Spiel stattfinden konnte. Da die Cliftonville-Fans umkehren mußten, kritisierte ein Teil im Nachhinein die Spieler, da sie aus Protest nicht hätten antreten sollen. Es scheint vielen der "Reds", dass sie nach Belfast Celtic und Derry-City als dritter nicht-protestantischer Verein aus der Liga ausgeschlossen werden sollen. Beim nächsten Heimspiel im Stadion "Solitude", aus Sicherheitsgründen auf 11 Uhr vorverlegt, wurden die gegnerischen Fans von Glentoran(!) mit einem Transpi "Welcome to Solitude" und mit Applaus begrüßt, um ein Zeichen zu setzen, "dass jeder Fan egal welcher Konfession und Hautfarbe willkommen ist". Allgemein hatte sich die Lage im Norden Irlands beruhigt. Die Marschsaison ist vorbei, wobei die meisten der letzten Märsche des unionistischen Oranier- Ordens, die durch katholische Bezirke gehen sollten, ob des großen Protestes abgesagt wurden. Die Anwohner boten meist Alternativstrecken oder Verhandlungen an, was von den Oranier-Orden abgelehnt wurde, so daß sie am Tage des Marsches aufgrund der starken Proteste die Märsche ganz absagen mußten. Die loyalistischen Terrororganisationen bekämpften sich selbst und haben gegen zwei ehemalige Mitglieder die Todesstrafe verhängt, da diese trotz des offiziell angegebenen Waffenstillstands auf eigene Faust weiterhin mehrere Katholiken ob Ihres Glaubens umbrachten. Alternativ sollten sie das Land verlassen, was diese ablehnten. Weiterhin haben die in den Gefängnissen einsitzenden Loyalisten die Aufgabe des Waffenstillstandes "empfohlen", da nach Ihrer Meinung die IRA zum Krieg aufrüstet. Wenn man allerdings der Presse und den Parteispitzen der SinnFein glauben durfte, plante die IRA wieder einen Waffenstillstand. Diese Planung wurde Ende September durch einen Einsatz der britischen Polizei gegen mutmaßliche Freiwillige der IRA in London unterbrochen. Dabei wurde ein unbewaffneter Mann erschossen, was von der Polizei als Notwehr ausgelegt wurde und sehr an Bad Kleinen erinnerte. Nachdem Mitte September ein Auto mit 150kg Sprengstoff einer seit Anfang/Mille der 80er abgespaltenen SPLITTERgruppe INLA (Irish National Liberation Army) in Belfast sichergestellt wurde, kam es Mitte Oktober zu einem Bombenanschlag der IRA auf das bestgesicherte Hauptquartier der britischen Armee in Lisburn (Vorort von Belfast). das u.a. den Oberbefehlshaber der britischen Armee im Norden Irlands, den Geheimdienst MI5 und die Spezialtruppen der SAS beherbergt. Hierbei wurden 30 Armeeangehörige verletzt und ein Soldat starb einige Tage später im Krankenhaus. Als erste überraschende Antwort auf den Anschlag willigte die größte unionistische Partei UUP bei den Parteien-Gesprächen dem Start der Verhandlungen über die Zukunft der sechs Provinzen im Norden Irlands zu. ohne weiterhin auf die Entwaffnung der IRA zu beharren. Die Forderung nach Entwaffnung war der Grund für die Nichtakzeptanz der SinnFein (politischer Arm der IRA) bei den Gesprächen und stoppte die Verhandlungen der britischen Regierung mit der IRA und SinnFein. Dieses führte letztendlich zur Aufgabe des Waffenstillstandes der IRA im Februar. Die britische Regierung wird sich fragen müssen, in wieweit sie mitschuld ist an den Anschlägen und ob durch eine kompromißbereitere Politik in den letzten zwei Jahren und ein konsequenteres Durchgreifen gegen die Gewalt der Loyalisten während der Märsche der Oranier-Orden das neuerliche Aufflackern des Bürgerkrieges nicht hätte verhindert werden können. Die Hoffnungen der irischen Regierung und der in Großbritannien lebenden Iren in einen Regierungswechsel zur Labour-Partei mit Tony Blair und damit auch einem Wechsel in der Irland-Politik, wurde durch ein Interview enttäuscht, in dem er sich ausweichend und negativ über die Möglichkeiten der Selbstständigkeit im Norden Irlands äußerte. (Bericht von Heiko aus Splitter Nr. 11)
16.10.1996, [Heiko (im Splitter)]