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Berichte
An ólfaidh tú pionta ?
“Paolo di Canio - you'II never get nine in a row, you think you are great, but you only got eight - you never get nine in row!”
Celtic IST zur Zeit noch die einzige Mannschaft in Schottland die 9mal m Folge Meister wurde (Rangers acht). Um mit aller Kraft zu verhindern, daß die Huns den Rekord einstellen, wurde der Ruf nach meiner Glückssträhne laut (Celtic noch nie zu Hause verlieren gesehen bei fünf Versuchen). Doch gegen die finanzielle Übermacht der Huns (480 Mill. Rücklagen) und den damit verbundenen kurzfristigen Spielerkäufen (Bo Andersen) sowie der Abwehr-Leichtsinnsfehler Celtics in den Derbies half auch die nicht.
Da Celtic noch nie vom guten Fußball lebte, sondern begeistert durch die Fans, das Stadion, das Treiben in den Pubs und teilweise noch durch die Stimmung im Parkhead, wurde die Tour trotz des Ergebnisses gegen Rangers genial. An dem ersten Wochenende meiner dreiwöchigen Reise durfte ich das 1:0 beim Heimspiel gegen den Dritten Aberdeen genießen, in dem di Canio in der 70. Minute das goldene Tor erzielte, die 54.000 Zuschauer auf den Sitzen standen und 20 Minuten lang, nach Bekanntwerden des Unentschieden der Huns, die Tabellenführung frenetisch feierten. Alle blieben entgegen sonstiger Gepflogenheiten bis zum Schlußpfiff sangen und tanzten als hätten sie die Meisterschaft schon sicher. Nach der telefonischen Nachricht, daß St.Pauli gegen Stuttgart gewonnen hatte und sich diese im Pub rumsprach, war die Party nicht mehr aufzuhalten. Pint um Pint wurde die Meisterschaft Celtics und der sichere UEFA-Cup-Platz St.Paulis gefeiert. Abends im „Brazen Head“ spielte „Eire Og“ altbekannte Lieder, man feierte, verhöhnte Gascoigne mit den vom Champions-League-Spiel noch dagebliebenen Ajax-Fans. „Eire Og“ brillierte wieder mit rockigen Rebel-Songs und präsentierte auf dem ersten eigenen Equipment den St.PauIi-Fans-gegen-Rechts-Autoauflkleber. Vor dem Spiel spielte „Athenrye“ im „McNees Showbar“ und die angereisten Celtic-Supporters-Clubs von der Insel zeigten wo die Wurzeln des Vereins liegen, die Präsident Fergus McCann so gern verleugnen würde. Über altbekannte Freunde aus Derry machte ich die Bekanntschaft mit Johnny Walker, der sein erstes Celtic-Spiel seit über 20 Jahren verfolgte. Johnny Walker wurde kürzlich nach 16 Jahren Haft in britischen Gefängnissen entlassen und in seiner Heimatstadt Derry und auch im Stadion, in den Kneipen in Glasgow vor und nach dem Spiel von vielen Leuten stürmisch begrüßt. Er gehörte zu den sogenannten „Birmingham Six“. Die IRA führte in Birmingham einen Anschlag auf einen Pub durch bei dem mehrere Menschen starben. Der öffentliche Druck war so groß, dass die Polizei schnell Erfolge vorweisen mußte. 6 Iren wurden festgenommen, eine Woche in Verhörzentren bearbeitet ohne Kontakt zur Außenwelt oder zu einem Anwalt. Jeder der 6 gab nach einer Woche den Anschlag zu, unterschrieb ein fingiertes Geständnis um die Schläge und den psychischen Druck zu beenden. Sie wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, obwohl sie die Geständnisse vor Gericht widerrufen haben, auf die Verhörmethoden verwiesen und teilweise Alibis hatten. 4 Jahre später wurde eine IRA-Einheit gefaßt, die mehrere Anschläge in Großbritannien zugab, u.a. auch den Anschlag auf den Pub in Birmingham. Trotzdem tat die Justiz nichts.
Nach 15 Jahren erreichten verschiedene Initiativen die Neuauflage des Verfahrens und alle 6 wurden für unschuldig erklärt und freigelassen. Die Methoden der britischen Polizei sind seit Jahrzehnten unverändert, so daß viele noch unschuldig im Knast sitzen oder für eine Woche ohne Haftbefehl unter Verschluß gehalten werden können (z.B. auch die Guildford-Four, die dasselbe Schicksal wie die Birmingham-Six mitmachten, nach 10 Jahren freigelassen wurden und deren Geschichte sogar verfilmt wurde). Bezeichnend dafür war auch, daß Johnny Walker und die Leute aus Derry auf der Rückfahrt vom Celtic-Spiel an der Fähre nach Belfast aufgehalten und eine Stunde verhört wurden, woher Sie kamen, wo Sie gewohnt haben, wen Sie getroffen haben u.a.
Der Empfang durch die Celtic-Fans nach dem Spiel der Celts in Hamburg im Europa-Cup und unserem Besuch zum Motherwell-Spiel im Oktober nimmt immer größere Formen an. Alles von St.Pauli, ob T-Shirts, Schals, Anstecker oder Socken ist zum Tausch begehrt und viele kündigten einen Gegenbesuch an. Für das, damals noch mögliche Halbfinale im DFB-Pokal, hatten sich schon 22 Celts aus Dublin, London, Belfast, Derry, Galway und Glasgow angemeldet Die Party wurde uns ja leider vermiest. Die Gastfreundschaft der Dubliner Celtic & St.Pauli-Fans Ciaron und Gerry ging sogar soweit, dass ich kein Bier während des einwöchigen Aufenthalts in Dublin, die Überfahrt im Supporters-Bus von Dublin zum Old Firm nach Glasgow (80 Pfund) und die Eintrittskarte (20 Pfund) nicht bezahlen durfte. Der Vorsitzende des 450-Mitglieder starkem Fanclubs „Naomh Padraigh No.1 Celtic Supporters Club Dublin“ bedankte sich für die Gastfreundschaft der St.Paulianer beim Spiel gegen den HSV in Hamburg und freut sich auf jeden St.Pauli/Celtic-Fan, der zu Besuch kommt. Dem Trinkverhalten vieler Celtic-Fans kann und will ich allerdings immer noch nicht folgen. Auf den Bussen zum Spiel nach Glasgow (immerhin 6 Stunden Busfahrt von Dublin) darf kein Alkohol getrunken werden, so daß die Fährüberfahrt (1,5 Stunden) und die Stunde vor- und nach dem Spiel zum Saufen im Akkord benutzt wird. An den Fähren werden Vorschriftsregeln verteilt (keine Vereinsschals oder Trikots, keine Gesänge, kein Alkohol), doch das Bild auf der Fähre war unglaublich: Zum Old Firm fuhren auf der Fähre von Belfast nach Schottland mehr als 25 Busse von der ganzen Insel und ca. 1500 Celts bevölkerten vornehmlich die Bars. Jeder kaufte kurz nach Ankunft schnell 3 Pints, alle liefen in grün-weiß rum und sangen. In Schottland waren Sie alle breit und müde und schliefen den Rest der Fahrt bis Glasgow, um dann in die Kneipe zu springen und erst einmal 2 Pints zu bestellen. Essen? Zeitverschwendung! Mein erstes Old Firm war unbeschreiblich. 40.000 Celtic-Fans und 10.000 Rangers im Parkhead. Die Gesänge der Rangers-Fans waren allerdings sehr einseitig und trotz der 1:0-Fuhrung nicht sehr ausgeprägt. Bei den Celts folgte „You’ll never walk alone” auf „Fields of Athenrye“ und „Soldiers Song“, sowie natürlich zahlreiche Songs gegen Gascoigne („He beats his wife, he beats bis wife, Gascoigne beats his wife“, Gascoigne is a wife beater”, “If you can't beat the provos beat your wife”). Die vielen Transpis und Schals in der Pause gaben ein beeindruckendes Bild ab und ein Fuchs tauchte unvermittelt auf dem Spielfeld auf um nach einer Runde wieder zu verschwinden. Doch trotz des unheimlichen Hasses beiderseits blieb es im Stadion und drumherum ruhig. Im Stadion saßen nur zwei Ordner in jeder Reihe zwischen den Fans und auf der Fähre legte keiner der 1500 Hand gegen die 6 anwesenden Rangers-Fans an. Krawall im Stadion bedeutet den Verlust der Dauerkarte und auf der Fähre das Verbot für den gesamten Fanclub wieder auf einer Fähre der Fährgesellschaft mitzufahren Zum Spiel muß man nicht viel sagen. Abseits gab es für Rangers nicht, der (Un)parteiische war sehr einseitig. Nur der Unfähigkeit der Rangers-Spieler und dem hervorragenden Torwart Kor ist es zu verdanken, daß das Spiel nicht höher verloren wurde. Am Ende war ein Unentschieden drin, doch van Hooijdonk vergab in der 85. Minute einen Elfmeter zum Unmut der Zuschauer. Eigentlich sollte er nicht schießen, da er die letzten alle verschossen hatte. Zusätzlich gibt es zur Zeit viele Gerüchte um die Zukunft van Hooijdonks, da dieser ein stark verbessertes Angebot Celtics nicht annahm. Die Heimfahrt verlief ähnlich der Hinfahrt: Schlafen bis zur Fähre, 1,5 Stunden saufen und dann weiterschlafen. Für die vielen Celtic-Fans aus Irland ist jedes Spiel ein Auswärtsspiel. Das Auswärtsspiel, das ich mit Celtic in Dunfermline besuchen wollte, wurde aufgrund einer Wettervorhersage, dass es schneien könnte, abgesagt. Alles ärgern nützte nichts, Dunfermlines 12.000 Zuschauer fassendes Stadion blieb mir verwehrt (wobei normalerweise 8.000 Celtic-Fans dort gewesen wären). Anstelle dessen mußte ich mir ein Drittliga-Spiel von Queens Park gegen Inverness Caledonians im Hampden Park bei Schweinekalte antun. Queens Park ist der älteste Klub Schottlands, spielt jetzt vor 600 Zuschauern im 30.000 fassenden Stadion. Auch Queens Park brachte ich kein Glück, sie verloren 2:3 und ein einsamer Trompeter versuchte Stimmung zu verbreiten. Im „McNees“ sammelten anschließend die Celtic-Fans aufgrund meiner unglücklichen Spielergebnisse für meine vorzeitige Heimfahrt, „Athenrye" spielte auf, im TV gab es das 3:1 St.Paulis gegen Leverkusen zu bewundern und die anwesenden Damen versuchten mit ihren bauchfreien T-Shirts den Fettrollen-Contest zu gewinnen. Abends genoß ich mit der Kelly-Family um Paddy und Dude vom „Sons of Donegal CSC" eine 3-Mann-Oldie-Band, die Schlagerkönige Glasgows. Am nächsten Morgen wurde man von den Klängen einer Republican Flute Band zum Marsch aufgrund des Todestages eines verdienten Kämpfers um die Sache (kein Plan worum es eigentlich ging) geweckt und mit 40 Teilnehmern durch den Vorort Glasgows getrommelt. Das Frühstuck von Mutter Kelly entschädigte und sollte Celtic die Meisterschaft noch einmal spannend gestalten, ist ein erneuter Besuch in dieser Saison auf alle Fälle Pflicht. Celtic versucht laut den englischen Medien, die finanzielle Übermacht der Rangers mit dem kühnen Plan den FC Wimbledon zu kaufen und deren Platz in der englischen Liga anzunehmen, zu durchbrechen. Man geht allerdings mehr von einer PR-Aktion aus, um vom schottischen Fußballverband mehr Fernsehgelder zu erhalten. So werden sie weiterhin gegen drittklassige Klubs spielen müssen, gegen die Huns in den Derbies aufgrund der strittigen Entscheidungen der Schieds- und Linienrichter und der eigenen Unfähigkeit verlieren und im Europacup in der ersten Runde gegen zweitklassige Provinzmannschaften ausscheiden. Celtics Fangemeinde wird das allerdings keinen Abbruch tun. Beim Freundschaftsspiel einer Auswahl von Jugend- und Ersatzspielern Celtics (u.a. Packie Bonner) gegen Dundalk FC in Irland machten sich knapp 4000 gutgelaunte und sangeslustige Fans aus Belfast und Dublin in die Grenzstadt auf, die ein unterhaltsames 4:1 verfolgen durften. Dundalk liegt an der Grenze zum Norden Irlands und hat eine große republikanische Tradition. Zweimal stand der Dundalk FC in den internationalen Gazetten aufgrund der Vorkommnisse rund um ein Fußballspiel. 1979 spielte Dundalk als irischer Master im Europapokal der Landesmeister gegen Linfield FC aus Belfast. Mehrere tausend Linfield-Fans wurden von 10.000 Dundalk Anhängern (davon einige von Linfields Lokalrivalen Cliftonville FC aus North Belfast) begrüßt. Die loyalistischen Anhänger Linfields provozierten die irische Polizei und die gegnerischen Fans mit loyalistischen Gesängen und der britischen Fahne und Nationalhymne. Die irische Polizei ging einseitig gegen Linfield vor und hinderte auch mehrere Maskierte nicht daran vom Tribünendach Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper in den B-- LOCK von Linfield zu werfen. Es kam zu stundenlangen Riots im Stadion und drumherum. Das Rückspiel mußte Linfield ebenso in Holland austragen wie das Erstrundenspiel des nächsten Jahres. 5 Jahre später (1984) spielte Glasgow Rangers im Europapokal gegen Bohemians aus Dublin. Die vielen Rangers-Fans aus dem Norden Irlands kündigten ein Massaker an und es kam zu einigen Ausschreitungen in der irischen Hauptstadt. Auf dem Rückweg der Rangers-Busse kam es auf der ganzen Strecke, aber besonders heftig (Steine, Molotowcocktails) in Dundalk, zu Attacken.
Die süd- und nordirische Liga ist für die Einheimischen nicht interessant und fristet ein ziemlich tristes Dasein. Wenig Zuschauer, viele der vorhandenen Fanzines wurden eingestellt und die vier beliebtesten Klubs in Gesamtirland kommen von der britischen Insel (Man Utd, Celtic, Rangers und Liverpool). Das Niveau des örtlichen Fußballes ist allerdings auch ziemlich erbärmlich. Bei einem Spiel einer Auswahl der besten Dubliner Spieler gegen den englischen Erstligisten Middlesborough (1:1) kickten beide Mannschaften bei strömenden Regen auf Oberliganiveau. Middlesborough trat ohne Ravanelli, Emerson und Juninho an und nur der Däne Mikkel Beck erzielte ein Tor. Die ca. 1.800 Zuschauer waren sämtlich auf der Seite von Middlesborough. Das war allerdings noch nicht das niedrigste Niveau. Ein paar Tage später spielte in Belfast der Vorletzte Cliftonville FC gegen den letzten Ards im Solitude (Stadion von Cliftonville). Ards gewann durch die einzige Torchance des Spieles, einen haltbaren 30-Meter-Schuß zur Freude der 15 mitgereisten Fans unter den 300 Anwesenden mit 1:0. Bei den Cliftonville-Fans um Stephen vom Fanzine „Wee Red" waren die Vorfälle heim letzten Auswärtsspiel in Portadown und die Gerüchte um das kommende Spiel in Lurgan gegen Glenavon FC Hauptthema. Beim Spiel im streng unionistischen Portadown blockierten Anwohner die Straße vor dem Stadion, um die Ankunft des „republikanischen Scum“ und der „Mörder von der IRA“ zu verhindern. Die Polizei schritt nicht ein und ließ die zwei Busse vollbesetzt mit Fans im Alter von 5 bis 60 Jahren weiterfahren. Es kam zu Steinwürfen und Attacken mit Eisenstangen. Nur den Fahrkünsten des Busfahrers ist es zu verdanken, daß er den Bus aus der Gefahrenzone lenken konnte. Bei dem Ausweichmanöver kachelte er erstmal einen Polizisten um. Als die Spieler von Cliftonville in der Halbzeit über die Vorkommnisse aufgeklärt wurden, traten sie trotz einer 1:0-Führung nicht wieder an (Pröpper & Co bei Ausschreitungen wie 1995 in Rostock bitte nachmachen). Die vermuteten Anhänger der IRA waren nicht an Bord und waren es auch nicht beim nächsten Auswärtsspiel gegen Glenavon im 45 Minuten entfernten Lurgan (90% unionistisch). Dank Stephen und den Mitgliedern des „Cliftonville Supporters Clubs Chiton Reds" durfte ich an der Fahrt teilnehmen. An Auswärtsfahrten dürfen nur Fanclub-Mitglieder teilnehmen und auch nur die erhalten Eintrittskarten. Ebenfalls an Bord der zwei Busse waren ein Kamerateam und ein Mitglied des Vorstandes Cliftonvilles. An der Autobahn warteten sechs Landrover der RUC und alle Zufahrtsstraßen wurden für die Busse abgesperrt Am Stadion waren keine Protestierenden sichtbar und man konnte ungestört die 0:4 Klatsche und damit das Erringen der roten Laterne mitverfolgen. Die gegnerischen Klubs verlangen von den Anhängern Cliftonvilles dass sie keine republikanischen Lieder mehr singen (dazu gehört
auch Fields of Athenrye und die irische Nationalhymne) und die Fahne eines fremden Staates (die irische Trikolore) nicht mit ins Stadion nehmen. Ein am Zaun hängendes Transparent mit einer integrierten Trikolore wurde von der Polizei entfernt und nicht wieder zurückgegeben. Die Union Jacks auf Seiten Glenavons wurden nicht angetastet. Der Widerstand gegen diese Vorgaben bei Cliftonville ist zur Zeit nicht sehr groß, da ein Ausschluß aus der Liga befürchtet wird. Dem Ruf nach Gleichberechtigung und dem Verbot des Union Jacks im Stadion, wird von den anderen Klubs eine klare Abfuhr gegeben, da man ja in seinem eigenen Land wäre. Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre war die Situation in der Liga noch anders, zu den Auswärtsspielen fuhren immer mehrere Hundert und es gab bei Cliftonville eine Gruppe von 300 Skins, die bei jedem Spiel für Ausschreitungen mit Loyalisten und der RUC sorgten. Bei einem Konzert von „The Specials“ in Belfast attackierten die auf dem Balkon des Saales stehenden, republikanischen Cliftonville Skins, die im unteren Teil des Saales, mit Linfield-Schals bekleideten Skins. Das Konzert mußte abgebrochen werden und in den Straßen rund um die Halle kam es zu Straßenschlachten. In den Spielen bei Linfield im Windsor Park kam es regelmäßig zu Attacken durch die RUC und bei einem Heimspiel Linfields gegen Cliftonville führte die loyalistische Terrorgruppe UW einen Anschlag mit zwei Handgranaten durch, die in den B-- LOCK der Cliftonville-Fans geworfen wurden. Diese zündeten allerdings nicht. Beim Spiel in Glenavon war von diesen Gruppen nichts zu sehen. Es kam nur zu einigen Steinwürfen in den Auswärtsb-- LOCK aus dem Park hinter dem Stadion und ein Molotow-Cocktail wurde über eine Mauer auf die RUC geworfen, der allerdings in einem Baum hangen blieb. Die Cliftonville-Fans reagieren mit Besonnenheit und heißen gegnerische Fans aller Art im Solitude willkommen. Man möchte weiterhin in der Liga verbleiben, da auch ein Umzug in die südirische Liga nicht zugelassen werden würde. Die Fahrten wären dann für den verschuldeten Klub auch zu teuer und zu weit. Zusätzlich würden die Busse in Teilen des Landes attackiert werden. Beim „Border-Cup“, in dem Clubs beiderseits der Grenze gegeneinander spielen, kündigten die Anhänger der nordirischen Vereine aus unionistischen Gebieten die Blockade der Straßen gegen die Fans aus dem katholischen Süden an. Das Fortbestehen Cliftonvilles wird auch beim Verband zum Teil nicht gern gesehen. Einem anderen katholischen Klub, Donegal Celtic von der Falls Road (100% republikanisches Viertel), wird Jahr für Jahr der sportliche Erfolg und der Aufstieg in die zweite nordinsche Liga verwehrt. Dort müßten sie gegen die Mannschaft der RUC spielen und die weigern sich gegen Donegal Celtic anzutreten, Der Verein ist sehr wohlhabend und besitzt ein großes vereinseigenes Gelände. Im Pokal zog Donegal Celtic sich zurück als sie auch zum Heimspiel der 2.Runde im fremden Windsor Park antreten mußten. In einem der vielen nordirischen Pokalwettbewerben spielt nun Cliftonville gegen RUC. Überraschenderweise wurde dieses Spiel ins Solitude verlegt. Dann wird man wieder einige St.Pauli-Trikots und Schals sehen, da das Auswärtstrikot von Cliftonville in den Farben des Union Jacks gehalten ist und niemand dieses tragen möchte. Bei einer Party des „Clifton Reds Supporters Club" nach dem Glenavon-Spiel wurde der familiäre Charakter Cliftonvilles deutlich. Viele Spieler, Co-Trainer, Trainer und Mannschaftsarzt nahmen teil, tranken und tanzten mit den Fans. Viele Spieler sind von klein auf Cliftonville Fans und der Trainer und ehemalige Spieler ist ein großes Idol und trotz der Mißerfolge nicht gefährdet. Nachdem ich dem Co-Trainer meine bisher erlebten Ergebnisse der Reise mitteilte wünschte er mir „Alles Gute und komm nicht so schnell wieder".
Bis auf das erste Spiel (1:1 gegen Aberdeen) sah ich in den Pflichtspielen nur Niederlagen, obwohl die größte Peinlichkeit ein Unentschieden war. Dank Terry und Peter des „Republic of Ireland Supporters Clubs" mit einem 30 Pfund teuren Ticket für das ausverkaufte Heimspiel Irlands gegen Island in Dublin ausgestattet, langweilte ich mich mit den anderen 44.000 über die Mauertaktik der Isländer und das 0:0. Mein Sitznachbar kam 10 Minuten vor Schluß, da es im Stadion ja kein Bier gibt und das Spiel im Pub live übertragen wurde. Im Anschluß gab es eine Party des „Naomh Padraigh No. 1 Celtic Supporters Club Dublin“ im Baggott Inn (Eigentümer des Pubs ist Jackie Charlton). Es spielten die „Bamey Pilgrims“ aus Glasgow, sowie eine Dubliner Republican Flute Band. Von Ciaron und Gerry mit Freibier ohne Ende bedacht, verschenkte ich meinen Celtic/St.Pauli-Schal an eine blonde Schönheit, die mich die ganze Zeit derbst anbaggerte und als sie den Schal bekam verschwand und mit einem anderen rumknutschte. Ein mulmiges Gefühl während der Party hatte ich, als mir die Geschichte der letzten Party des Fanclubs vor zwei Jahren erzählt wurde. Die UFF (loyalistische Terrorgruppe) machte eine Anschlag auf den Pub in dem die Party mit 300 Gästen stattfand. Der eine Türsteher wurde erschossen, der zweite, angeschossen, schaffte es die Tür zu verschließen, so daß die beiden Maskierten nicht eindringen konnten. Als die Polizei eintraf ging der Zünder einer Bombe vor der Tür hoch, die Bombe detonierte glücklicherweise nicht.
In Irland ist im letzten halben Jahr viel passiert. Die IRA führte Ihre Strategie mit Anschlägen auf Polizei und Armee in Großbritannien fort, wobei es durch eine Schießerei in einem Kinderkrankenhaus zwischen der IRA und den Leibwächtern eines unionistischen Politikers, als dieser sein krankes Kind besuchen wollte, zu ziemlichen Sympathieverlusten kam. In den weiteren Wochen folgten Anschläge auf Polizeistreifen, das Belfaster Schloß, eine leere Polizeikaserne, Patrouillen wurden beschossen und ein Gerichtsgebäude mit einem Raketenwerfer attackiert. Es kam nur zu Sachschäden und leichten Verletzten durch Schock oder Glassplitter. Die Aussicht auf Frieden ist geringer denn je. SinnFein (politischer Flügel der Republikaner) versäumte es, die Stimmung in der Bevölkerung Großbritanniens, des Norden Irlands und der USA für sich zu nutzen. Man versteifte sich auf die Teilnahme an den All-Parteien-Gesprächen. Als diese platzten war die Hoffnung bei den Anhängern dahin und Themen wie die Neuordnung der Polizei wurden nicht mit genügend Druck weiterverfolgt. Die Loyalisten antworten nun mit Gegenanschlägen (u.a. auf ein Auto eines katholischen Ehepaares mit einer 5 Monate alten Tochter und Bombenanschlägen in kleineren Dörfern). Es gab zwar noch keine offizielle Aufhebung des Waffenstillstandes durch den Armeerat der Loyalisten, doch ist dieser faktisch nicht mehr vorhanden. Die britische Regierung reagiert auf die Anschlage mit Methoden der 70er Jahre, wie Hausdurchsuchungen ganzer Straßenzüge, tagelange Verhöre, Straßensperren und dem Errichten neuer Beobachtungstürme und Kasernen in katholischen Vierteln. Das Gefühl der ungerechten Behandlung der katholischen Bevölkerung nimmt stetig zu. Erst drei Gefangene der IRA wurden aus England in die Nähe Ihrer Heimatorte verlegt, um den Angehörigen Besuche zu erleichtern, obwohl Major dies für alle versprach. Einer der „Shankill-Butchers“ wurde nach 16 Jahren Haft vorzeitig entlassen. Hingegen keiner der republikanischen Häftlinge, die teilweise schon 22 bis 24 Jahre im Knast sitzen. Die „Shankill-Butchers“ waren eine Gruppe loyalistischer Terroristen aus dem Gebiet der Shankill Road in West Belfast die über einige Jahre des Nachts einzelne aufgrund Ihres Glaubens oder auf dem Weg aus und in die falschen Viertel abpassten, diese dann bestialisch mit einem Schlachtermesser folterten und schließlich zerstückelten. Mehr als 20 Katholiken fielen ihnen zum Opfer. Eines Abends besuchten die „Butchers“ einen gemischt-konfessionellen Club in der City von Belfast, ließen die Besucher nach kirchlicher Zugehörigkeit trennen und eröffneten das Feuer auf die Katholiken. Trotz, der mehr als 20 erwiesenen Morde werden diese nach 16 Jahren entlassen und die republikanischen Gefangenen, die wegen einfachen Mordes oder aufgrund eines Bombenanschlages verurteilt wurden, bekommen keine Amnestie (zum Thema Ungerechtigkeit siehe auch den Artikel von Kai aus Derry über den Bloody Sunday). Das Vertrauen in die Regierung und einen möglichen Frieden sinkt außerdem durch Aktionen der 100% unionistischen Polizei des Norden Irlands, der RUC. Im Spätsommer provozierte die RUC Ausschreitungen in Derry. Sie eröffnete das Feuer mit Plastikgeschossen auf Jugendliche, die zu Kneipenschluß aus den Pubs und Discos auf die Straßen trat. Von allen Seiten wurden die größtenteils katholischen Jugendlichen attackiert. Es kam zu Straßenschlachten mit 200 verschossenen Plastik-Bullets (3cm Durchmesser. 10 cm lang) seitens der RUC. Die Jugendlichen antworteten mit Barrikaden und Molotow-Cocktails. Die Plastikgeschosse dürfen laut internationalem Recht nur in Ausnahmelallen und dann aus mindestens 50 Meter Entfernung und unterhalb der Hüfte gezielt verwendet werden. Es wurde auf Menschen mit erhobenen Händen geschossen, es gab einige Kopf- und Brustverletzungen und teilweise wurde aus weniger als zehn Meter Entfernung geschossen. Ein Ende des Konfliktes ist folglich nicht in Sicht. Die meisten sind des Kampfes und Krieges müde, doch solange die britische Armee und die nordirische Polizei sich weiter wie Besatzer aufspielen und einseitig repressalisch gegen die katholische Bevölkerung vorgeht, wird diese den Widerstand nicht aufgeben.
Allgemein ist man als St.Paulianer in ganz Irland und Glasgow (ohne die Bezirke mit den blau-weiß-roten Kantsteinen) immer herzlich willkommen. Selbst im Westen Irlands, in einer Disco in Galway begrüßte mich ein Ire mit einem St. Pauli-Totenkopf-T-Shirt. In der Biographie Jackie Charltons ist ein Bild einer Pappnachbildung von ihm bei einem Länderspiel in der Kurve der Irland-Fans zu sehen, wo er einen St.Pauli-Schal umgebunden hat. Beim Besuch in Athenrye (bekannt durch das Lied „Fields of Athenrye“, die Fields of Athenrye waren Felder in der Nähe von Galway die bei einem Aufstand der irischen Bevölkerung gegen britische Grundbesitzer zum Schlachtfeld wurden und sich blutrot färbten) wollte ein Schüler seine Schuluniformmütze mit meinem Schal tauschen. Nur beim Besuch in Belfast und den anderen Teilen des Norden Irlands sollte man nicht zu offensichtlich St.Pauli-Sachen tragen, da sich auch dort rumgesprochen hat, das einige eine Freundschaft mit Celtic pflegen. Viele Rangers-Fans waren beim Gastspiel des HSV bei Celtic, HSV-Fans feierten mit Rangers-Fans in Kopenhagen bei einem Freundschaftsspiel im Sommer und im Chelsea-Rangers-Linfield-Fanzine „Blues Brothers“ darf ein HSVer seinen Müll über St. Pauli zu Papier bringen. Einer der Angestellten des HSV ist Mitglied des „North of England Linfield Supporters Club“ und führte einige HSVer in Belfast in einschlägig bekannte Pubs, in denen Mitglieder loyalistischer Terrorgruppen sich aufhalten. Wie sagte der Ire mit St. Pauli T-Shirt in Galway, als ich ihn auf Deutsch ansprach: „Scheise HSV“. Mehr Deutsch konnte er nicht, braucht er auch nicht.
Thanks und ein kräftiges Tiocfaidh Ár Lá an Stephen, Brian und Paul von Cliftonville FC, Ciaron, Gerry und den Rest von Naomh Padraigh No.1 CSC Dublin, Paddy, Dude und Brian vom Sons of Donegal CSC, Terry und Peter vom R.I.S.C., der Kelly Family und an Paul, Dale, Eamon, Kai und den Rest aus Derry.
(Bericht von Heiko aus Splitter Nr. 12)
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| 17.10.1996, [Heiko (im Splitter)] |
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