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Berichte
Cos amhran!
Die Nebenschauplätze des Abstiegskampfes von St.Pauli geben einem zusätzliche Schmach, Kummer und Wut über vergebene Chancen, Möglichkeiten und Zukunftsaussichten, ob in der Politik oder dem internationalen (nicht gleich hochklassigen) Fußball. Einzig Cliftonville FC aus North Belfast läßt einem ein seltenes Lächeln über das Gesicht fallen, wenn die Ergebnisse aus dem Norden Irlands zu uns rüberdringen und lassen auch für St.Pauli hoffen. 2 Spieltage vor Schluß stand Cliftonville auf dem letzten Platz mit einem Punkt Rückstand auf den Vorletzten Ards (nur der Letzte steigt ab). Man spielte bei Ards und 200 mitgereiste Cliftonville-Fans jubelten dem 1:0 in der 92. Minute zu. Am letzten Spieltag gewann Cliftonville dann gegen Glenavon mit 5:0 und hat damit den Abstieg verhindert. Gegen Glenavon geht es Anfang Mai auch im Pokalfinale im Windsor Park um den Einzug in das europäische Fußballgeschehen. 1500 Fans (mehr Tickets erhielt Cliftonville nicht) feierten nach dem siegreichen Halbfinale ihre Reds und den größten Erfolg seit 18 Jahren (1979 gewann Cliftonville den Pokal). Im ganzen Stadtteil und in den Straßen der umliegenden Stadtteile Ardoyne und New Lodge, sowie auch in West-Belfast in der Falls Road sind die Straßen rot-weiß geschmückt und selbst Fußballdesinteressierte aus diesen Teilen freuen sich auf das Finale. Cliftonville erhielt allerdings nur 4000 Tickets, die natürlich sofort ausverkauft waren. Sollte es einen Sieg geben, ist ein Besuch des Europacup-Auswärtsspieles Pflicht.
Doch der Sommer bringt noch weitere europäische Fußballhighlights. Neben Celtic im UEFA-Cup wartet Derry City in der Qualifikationsrunde zur Champions League. Mit 10 Punkten Vorsprung holte man den Meistertitel ins Brandywell in Derry, und am ersten Maiwochenende geht es um das Double. 10.000 (!) Derry City-Supporters haben Tickets für das Pokalfinale in Dublin gekauft, und in der irischen Hauptstadt wird es eine Riesenparty geben. Gegner ist übrigens Shelburne. Beim letzen Auswärtsspiel Derrys in Europa machten 4.000 City-Anhänger Belgien unsicher und feierten das erneute Ausscheiden.
Irland hat auf dem Weg zur WM 1998 in Frankreich einen erneuten Dämpfer erhalten. Mit neuen, absolut häßlichen orangenen Auswärtstrikots verlor man in Mazedonien mit 2:3 und in Rumänien mit 0:1. Allerdings werden wir trotz der gesunkenen Chancen auf die Qualifikation Irland beim Auswärtsspiel in Island Supporten. Celtic im UEFA-Cup zu supporten ist sicherlich eine Reise wert, doch es ist auch eine doppelte Niederlage. Nicht nur daß die Huns den Rekord Celtics (9 Meistertitel in Folge) einstellte, Celtic verlor auch noch im Halbfinale des schottischen Pokals gegen Zweitligist Falkirk. Im Wiederholungsspiel unterlagen sie bei 21:1 Ecken mit 0:1 und der schwelende Konflikt zwischen Präsi McCann und Coach Bums geht weiter durch die Medien (irgendwie erinnert mich das an einen anderen Verein).
Wie einseitig die Medien im Norden Irlands und Großbritannien sind, sieht man an der Berichterstattung der großen Zeitungen über die Vorfalle beim Spiel von Manchester United in Porto. Die englischen Fans wurden von der portugiesischen Polizei recht ruppig behandelt und in Einzelfällen auch mit Plastikgeschossen konfrontiert. Daß diese Geschosse zu Tausenden im Norden Irlands von den eigenen Regierungstruppen verschossen werden (auch auf Fans des bei den Republikanern im Norden beliebten Fußballvereins ManUtd) und auch mehrmals beim Fußball (Linfield vs. Cliftonville und aus kürzester Entfernung mit daraus resultierenden schweren Verletzungen beim Pokalspiel 1990 von Donegal Celtic) im Windsor Park in Belfast, findet und fand keine Erwähnung und wurde auch nicht als skandalös bezeichnet. Aber warum sollte die Presse die nationalistisch-katholischen Fußballfans anders behandeln als den Rest der Minderheit im Norden Irlands? Der Krieg im Norden Irlands hat Auswirkungen erreicht, die stark an die siebziger Jahre erinnern lassen. Die IRA nutzt den Wahlkampf in Großbritannien geschickt für sich aus, indem sie in den letzten Wochen mehrmals Bomben androhte oder kleine Sprengkörper an Autobahnen hochgehen ließ und somit Birmingham, mehrmals die Flughäfen in London gesperrt wurden und an einem Tag sogar ganz London ins Chaos stürzte (U-Bahn-Stationen, Flughafen und Autobahnen wurden gesperrt), ohne Menschen durch eine Bombe zu gefährden. Der Schaden wird durch Arbeits- und Verdienstausfalle auf eine dreistellige Millionenhöhe geschätzt. Der größte Aufschrei ging durchs Land als die IRA für das „Grand National“, ein Pferderennen mit 70 000 Zuschauern und einem Millionen-Fernsehpublikum eine Bombe androhte und das Rennen dadurch kurz vor dem Start abgebrochen und das Gelände evakuiert wurde. Eventuell sammelten sie dadurch zusätzlich noch Sympathien bei Umweltschützern, da das Pferderennen das gefährlichste für Pferde auf der Welt ist und aufgrund der ganzen Unfälle ähnliche Rennen in Deutschland verboten wurden. Bei den Wahlen in Großbritannien wird auch SinnFein teilnehmen und sie will erstmalig die gewonnenen Sitze auch einnehmen. Nicht nur diese Entscheidung schaffte bei Teilen der Anhänger Unmut. Die Entscheidung SinnFeins in der Provinz Mid-Ulster einen eigenen Kandidaten (Martin McGuinness) und nicht Roisin McAliskey aufzustellen, brachte einige Kritik und verringerte Wahlchancen ein. SinnFein wird mehr und mehr zu einer normalen Partei, die alles tut, um an die Macht zu gelangen. Jahrzehntelang war es üblich Gefangene auf die Wahllisten zu setzen, um deren Namen im Gespräch zu halten und auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Mitten im Hungerstreik 1981 wurde Bobby Sands mit großer Mehrheit in das Parlament in London gewählt, konnte seinen Platz allerdings nie einnehmen, da er während des Hungerstreiks verstarb. Roisin McAliskey sitzt in England in Abschiebehaft, da sie verdächtigt wird, am Anschlag der IRA in Osnabrück beteiligt gewesen zu sein. Es gibt allerdings keine überzeugenden Beweise, und ein Zeuge konnte sie nicht wiedererkennen. Die deutsche Regierung besteht mittlerweile nicht mehr auf die Auslieferung. Dennoch und trotz Ihres Zustandes (im achten Monat schwanger) sitzt McAliskey weiterhin im Hochsicherheitstrakt ohne ausreichende ärztliche Betreuung oder der Möglichkeit des uneingeschränkten Besuchs. Und in so einer Situation denkt SinnFein mehr an die eigenen politischen Leute, anstatt Roisin in Ihrer Heimatprovinz auf die Liste zu setzen. Die Wahlchancen wären dadurch sogar erhöht. Mid-Ulster ist eine mehrheitlich katholisch-nationalistische Provinz, und die Unionisten sind nur deshalb seit über 20 Jahren an der Macht, da sich die SDLP und SinnFein dauernd gegenseitig die Stimmen nehmen und die UUP der lachende Dritte ist. Im Norden Irlands selbst beschränkt sich die IRA auf den Beschuß von Armee- oder Polizeipatroullien oder dem Angriff einer Kaserne. Die loyalistischen Todesschwadrone hingegen haben Ihre antikatholischen Angriffe fortgesetzt und einige Familien aus Ihren Häusern vertrieben, mehrere katholische Kirchen abgefackelt (u.a. eine 200 Jahre arte Kirche in Armagh). einzelne Katholiken erschossen und mehrmals Bomben vor die SinnFein-Büros in Derry und Belfast gelegt die allerdings keinen großen Schaden anrichteten oder rechtzeitig entschärft wurden. Daß den Loyalisten einiges im Kopf fehlt, zeigt auch die Reaktion auf einen Fehler (?) der Offiziellen nach dem Formel 1-Rennen in Argentinien (Remember Falkland). Bei der Siegerehrung wurde für Eddie Irvine (Nordire und damit für die Loyalisten Brite) nicht die englische sondern die Fahne der Republik Irland gehißt. Seitdem wird Irvine am Telefon bedroht und mit nächtlichen Anrufen terrorisiert. Hs
Britische Justiz - Im Zweifel lebenslänglich
Nach den auch im SPLITTER schon erwähnten Justizirrtümern in Großbritannien mit den Guildford Four und den Birmingham Six, wo aus Unschuldigen mit Foltermethoden Geständnisse erpreßt und diese dann zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurden, tritt zur Zeit ein neuerlicher Justizskandal in die Schlagzeilen. Danny McNamee wurde 1986 in Crossmaglen im Norden Irlands festgenommen und anschließend zu 25 Jahren Haft verurteilt, da er ein „Meister-Bombenbauer" der IRA gewesen sein soll. 11 Jahre sitzt McNamee nun schon in englischen Gefängnissen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Die Anschuldigungen stützen sich nur auf technisches Beweismaterial, und dieses ist auch noch lückenhaft. Teilweise wurde der Verteidigung Entlastungsmaterial vorenthalten, das erst in den letzten Jahren zutage kam. Der Prozeß wurde von negativer Presseberichterstattung und feindseliger Haltung des Richters begleitet, und McNamee wurde verurteilt obwohl die Beweise mehr als dünn und zweifelhaft waren. 1984 wurden Waffenlager der IRA gefunden. Bei den Waffen waren auch Schaltkarten für Bomben, und auf dem Klebeband der Schaltkarten wurden Fingerabdrücke von McNamee gefunden. McNamee arbeitete in einer Elektronikfabrik in Dundalk, die Schaltkarten für Verstärker herstellten. Die gefundenen Schaltkarten waren für die Bomben noch umgerüstet worden. Weiterhin wurden ihm noch Fingerabdrücke auf einer Batterie zur Last gelegt die bei einer entschärften Bombe gefunden wurde. Der Eingang der Batterie ist auf 3 Tage vor dem Fund der Bombe datiert gewesen, kann also nicht von der Bombe gekommen sein. Weiterhin hat eine unabhängige Kommission erkannt, daß der Fingerabdruck nicht von McNamee ist. 1992 wurde Desmond Ellis festgenommen, der den Bau der Bomben und der Schaltkarten zugab und dessen Fingerabdrücke in größerer Anzahl auf den Schaltkarten waren. Dieses war der Staatsanwaltschaft bereits nach dem Fund der Waffenlager bekannt, wurde aber für den Prozeß gegen McNamee nicht verwand. Danny McNamee sitzt seit über 10 Jahren unschuldig im Knast und die britische Regierung sträubt sich eine Berufungsverhandlung anzusetzen. Gleichzeitig werden weiterhin britische Soldaten oder Polizisten, die Unbewaffnete und Wehrlose erschossen haben, nach gerade einmal zwei Jahren Haft auf Bewährung freigelassen.
Wer Danny McNamee Unterstützung per Post schicken möchte: Danny McNamee. HMP Full Sutton, York, Y04 1PS England. Er freut sich über jede Postkarte.
(Bericht von Heiko aus Splitter Nr. 13)
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| 18.10.1996, [Heiko (im Splitter)] |
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