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Berichte
Cen fäth nach bhfuil tu sästa? Neues von den Inseln
Hoffnung, Resignation, Freude, Trauer, Wut oder Leid wechseln sich nicht nur im Fußball (bei St.Pauli und Celtic mal wieder letzteres) ab. Auch die irische Politik und Gegenwart ist ein jährlich/monatlich/täglich wechselndes Auf und Ab. Während eines zweiwöchigen Urlaubs in Irland Anfang Juni sah es weiterhin sehr düster für eine friedliche Zukunft in einem vereinten Irland aus. Die katholische Minderheit mußte mit andauernden Repressalien leben (hohe Anzahl an Hausdurchsuchungen, viele Armeepatrouillen) und die IRA attackierte regelmäßig Armee- oder Polizeipatrouillen und deren Kasernen. Auch die Loyalisten begingen trotz ihres offiziell noch bestehenden Waffenstillstandes einige Morde. In der Nähe von Portadown (50 km von Belfast entfernt) wurde ein katholisches Mädchen, das bei seinem protestantischen Freund zu Besuch war, von loyalistischen Todesschwadronen aufgrund ihres Glaubens mit vier Kopfschüssen hingerichtet. Weiterhin wurde ein Offizieller des Grafischen Sportverbandes und sogar ein Angehöriger der RUC ermordet. Mit Ausblick auf den Beginn der Marschsaison des unionistisch-loyalistischen Orange Order Anfang Juli erwarteten alle eine weitere Verschlechterung der Situation. Die Gesprächsbereitschaft der Anwohner der katholischen Bezirke, durch die die größten und brisantesten Märsche gehen sollten (Derry, Drumcree, Ormeau Road in Belfast, Newry), wurde vom Orange Order abgelehnt, da „mit der IRA nicht verhandelt wird“. Die unionistisch-loyalistischen Terrororganisationen drohten mit Anschlägen in Südirland, sollten die Märsche abgesagt werden, und auch die Vermittlungsversuche der neuen Nordirlandministerin der Blair-Regierung Mo Mowlan brachte keine Lösung. Diese entschied sich schließlich für das „kleinere Übel'" und genehmigte den Marsch durch die von Katholiken/Republikanern bewohnte Garvaghy Road. Schon im letzten Jahr gab es daraufhin große Ausschreitungen in vielen Städten im Norden Irlands und auch dieses Jahr war die Empörung und Wut groß, die sich in tagelangen Straßenschlachten von katholischen Jugendlichen mit der Polizei und der Armee entlud. Die Reaktion, die darauf folgte, überraschte alle. Der Orange Order, der in den letzten Jahren verbissen auf seine jahrhundertelange Tradition der Routen verwies und auf diese bestand, verlegte freiwillig einige Märsche oder änderte die Routen ab, so daß es nicht mehr durch von mehrheitlich Katholiken bewohnte Straßenzüge ging. Diese Kompromißbereitschaft der Unionisten und weitere Zusagen der Labour-Regierung (keine Waffenabgabe der IRA vor Beginn der Gespräche im September) sowie die positiven Ergebnisse der Wahlen im Norden (2 Sitze) und Süden (1 Sitz) Irlands für SinnFein brachten den Armeerat der IRA auf Drängen von SinnFein am 20. Juli 1997 dazu, einen neuen Waffenstillstand auszurufen. Nach sechs intakten Wochen Waffenstillstand sollen Mitte September die Gespräche mit allen Parteien (auch SinnFein) beginnen, um im Mai ein Referendum ausgearbeitet zu haben, über das die Bevölkerung im Norden und Süden Irlands abstimmen soll. Die Unionisten/Loyalisten sehen ihre Vorherrschaft bedroht und fordern einen erneuten Ausschluß von SinnFein bis die IRA alle Waffen abgegeben hat. Bis zu diesem Zeitpunkt wollen die unionistischen Parteien an keinen Gesprächen teilnehmen. Innerhalb der Unionisten/Loyalisten gibt es viel Unruhe und Streit zwischen den Hardlinern und Gemäßigten. Nach der Routenänderung der Parade in Derry blockierten Hardliner die neue Route, um den Marsch auf die alte Strecke tu zwingen und es kam zu Prügeleien untereinander. Sollten beide Bevölkerungsgruppen und ihre Parteien weiter kompromißbereit aufeinander zugehen, die bestehenden Ungerechtigkeiten zu Lasten der Katholiken abgeschafft und die einseitig loyalistische Polizei RUC neu gestaltet werden, ist ein dauerhafter Frieden möglich. Die Chancen dafür sind diesmal besser als beim letzten Waffenstillstand, da die Labour-Regierung unter Blair nicht auf die Stimmen der Unionisten im Unterhaus angewiesen ist und ein echtes Interesse an der Beendigung des Konfliktes besteht. Doch auch die IRA muß Abstriche machen, denn die Maximalforderung eines vereinigten Irlands ist nicht sofort machbar. Das Vertrauen der Republikaner in die britische Regierung und deren Absichten ist verständlicherweise noch sehr gering. Gerade ein paar Wochen ist es her, daß erneut Material über das Vorgehen der britischen Geheimdienste im Norden Irlands an die Öffentlichkeit geriet. Der ehemalige Geheimagent Brian Nelson versorgte mit Wissen seiner Vorgesetzten die loyalistischen Terroristen mit Waffen und Informationen über Republikaner und war selbst an mehreren sektiererischen Greueltaten beteiligt. Es konnte ihm die Zerstückelung eines alten, behinderten, katholischen Mannes nachgewiesen wurde. Dafür erhielt Nelson 7 Jahre Haft, von denen er 1,5 absitzen mußte. Anschließend kehrte er in den Dienst ihrer Majestät zurück. Im Zuge der Streitereien um den Marsch in Drumcree gründete sich eine weitere loyalistische Terrororganisation, die LVG (Loyalist Volunteer Group). Unter der Führung von Billy Wright aus Portadown wurde eine Bombe an der Grenze im Süden Irlands gelegt und weitere Bomben angedroht. Auch zur Ermordung des GAA-Offiziellen bekannte sich die LVG. Billy Wright sitzt zwar im Knast, hat aber die Möglichkeit seine Terrorgruppe per Handy zu dirigieren. Eine positive Nachricht gibt es allerdings auch von den Loyalisten. Butcher Bates, ein Mitglied der Shankill-Butchers, die mehrere Katholiken ob ihres Glaubens mit einem Schlachtermesser zerstückelten, wurde von eigenen Leuten kurz nach seiner Entlassung aus dem Knast erschossen. Wie seltsam einseitig die Polizei gegen die katholische Bevölkerungsminderheit vorgeht, wird einem immer wieder vorgeführt. In Derry wurde ein Jugendlicher verhaftet und für eine Nacht in den Knast gesteckt, weil er ein grün-weißes Celtic-Trikot trug. Vor Gericht wurde er allerdings freigesprochen. Sein Anwalt sagte, „er könne verstehen, wenn sein Mandant wegen eines Celtic-Trikots eingesperrt werden würde, wenn es das häßliche neongelb-schwarze gewesen wäre“. Vom Vorstand von Celtic wollte sich daraufhin keiner äußern. Der Vorstand von Glasgow Celtic um Präsident Fergus McCann hat allerdings auch alle Hände voll zu tun, um den Verein endgültig herunterzuwirtschaften. Nach der sportlich enttäuschenden letzten Saison und dem eingestellten Rekord von neun Meisterschaften in Folge durch die Huns wurde bis Mitte Juli gewartet, um einen neuen Trainer (Wim Jansen von Feyenoord) zu verpflichten, damit auch ja keine vernünftige Saisonplanung stattfinden kann. Nachdem van Hooijdonk schon zum Ende der Saison von McCann vergrault wurde, kündigten auch Cadete und di Camo an. nicht mehr für Celtic spielen zu wollen. Diese drei Spieler hatten 2/3 aller Tore erzielt. Für neue Spielereinkäufe hatte McCann scheinbar keine Zeit, denn er mußte sich auf die „Bhoys against Bigotry"-Kampagne konzentrieren. Irische Fanclubs sollen keine Karten mehr bekommen, wenn sie weiterhin Rebelsongs singen oder sie sollten Ihre einzelnen Mitglieder, die diese Lieder singen, namentlich benennen. Das Verbot des Schwenkens oder Tragen der irischen Fahne wurde durch die Ordner nachdrücklich verfolgt. Auf einer Versammlung von Vertretern der in Irland ansässigen Celtic Supporters Clubs, an der auch McCann teilnahm, sagte der verhaßte Präsi, nachdem er einige lautstarke Kritik einstecken mußte, er sei bereit, sich von seinem Posten zu entfernen. Nun ist die Hoffnung groß, daß sich ein Celtic-Fan mit viel Geld findet, der die Anteile McCanns erwerben kann. Bis dahin wird McCann weiter die Kommerzialisierung Celtics vorantreiben und den Celtic-Fans das Leben schwer machen. Die kurzfristigen Spielerkäufe von Blinker (Holland), Larssen (Schweden). Hohe (Frankreich), sowie Jackson von den Hibs konnten bis jetzt die spielerische Qualität (oder wie man die Leistungen der letzten Saison nennen möchte) weder halten noch steigern. Nach zwei 1:2 Niederlagen bei den Hibs und gegen Dunfermline ist man nach zwei Spieltagen Letzter und hat schon sechs Punkte auf die Rangers verloren. In der zweiten Qualifikationsrunde zum UEFA-Pokal scheint ebenfalls Endstation zu sein, denn das 1:2 bei Innsbruck war mehr als schmeichelhaft. Fußballerisch ist also von der Insel nicht allzuviel zu erwarten. Irland wird die Qualifikation zur WM nicht schaffen und Derry City ist in der Qualifikation zur Champions-League ausgeschieden. Doch alternativ bleibt der Nationalsport Nr. 1. Gaelic Football. Kein Land kann die Iren in diesem Sport besiegen, denn es wird nirgendwo anders gespielt. Während unseres Urlaubes spielten gerade die einzelnen Counties die Meisterschaften aus. Im Viertelfinale um die Meisterschaft von Ulster spielte Derry gegen Monaghan in Derry. Das erste Spiel ging unentschieden aus und zum zweiten Spiel im Celtic Park im Stadtteil Brandywell von Derry sahen wir und 14.000 weitere Zuschauer ein packendes Spiel. Die Fans stehen im ganzen Stadion nebeneinander verteilt. Richtige Anfeuerungen gibt es nicht und auch keine Anfeindungen oder gar Ausschreitungen gegeneinander. Auffällig war, daß im gesamten Stadion und um das Stadion herum keine Polizei oder Armee war, da diese im gesamten Norden Irlands kein Zutrittsrecht zu den Stadien der Gaelic Athlelic Association hat. Die Stadien, die meist größer als die irischen Fußballstadien sind, werden auch nicht für große Fußballspiele entliehen, da Fußball ein britischer Sport ist. Während der gesamten britischen Besatzungszeit formierte sich der Widerstand in Ir land oft durch die GAA, die immer noch viele Regeln und Grundsätze seit dieser Zeit hat (z.B. darf auch kein Angehöriger der britischen Armee Mitglied in einem Verein der Gaelic League werden). Die Regeln sind recht einfach: Der Ball darf mit der Hand oder dem Fuß gespielt werden, allerdings darf er nicht festgehalten werden. Um den Gegner zu attackieren ist bis auf Würgen und Beinstellen oder Griff in die Weichteile alles erlaubt. Es ist ein sehr harter und schneller Sport. Nach 10 Minuten durften wir eine Boxeinlage mit anschließendem Nasenbeinbruch bewundern. Das Spielfeld ist etwas größer als beim Fußball und an den Fußballloren befinden sich zwei Stangen wie beim Rugby. Ein Tor gibt 3 Punkte und ein Schuß über das Tor und durch die Stangen 1 Punkt. Gezählt wird allerdings mit der Anzahl der Tore - Anzahl der Schüsse zwischen die Stangen, so daß das Ergebnis 2-14 zu 0-11 betrug. Für viele Iren am wichtigsten an Gaelic Football ist, daß die Spiele sonntags stattfinden und an Spieltagen die Kneipen nicht, wie an den anderen Sonntagen, tagsüber geschlossen sind und man einige Pints zu sich nehmen kann.
(Bericht von Heiko aus Splitter Nr. 14)
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| 20.07.1997, [Heiko (im Splitter)] |
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