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Berichte
FC Tirol Milch - Celtic 2:1 (UEFA-Cup-Qualifikation, (12.08.97) - Schleich di!
Gerademal 10 Tage vor Beginn des Matches erfuhr man von Celtics Spielort in der weiten Runde der UEFA-Cup-Quali (in der ersten setzten sich die Hoops gegen Inter Cardiff durch), so daß nach anfänglicher Begeisterung gerademal 6 Leute übrig blieben, die sich den Trip geben wollten/konnten (die meisten haben einfach keinen Urlaub bekommen).
So setzte sich am Dienstag morgen unser Gefährt (ein megalanges "Klein"bus-Geschütz) in Richtung Süden in Bewegung. Mit Bleifuß über staulose Autobahnen ging's zügig voran (abgesehen von der Strecke über die Grenze), so daß wir am späten Nachmittag Innsbruck (liegt geil zwischen hohen Bergen), genauer gesagt unseren Gastgeber Werner (St.Pauli/Tirol-Fan) erreichten. Nach einem Ösi-Flaschbier als Begrüßungstrunk zogen wir los in die City, um die Celts zu treffen. Doch sollten heute derartig wenig runterkommen. daß wir erst im Irish Pub auf welche stießen. Diese waren sehr erfreut, als sie erfuhren, daß wir St.Pauli-Fans seien, und so trank man ein paar Pints (8 DM!!!), tauschte ein paar Neuigkeiten aus und erinnerte sich an unseren 80-Leute-Besuch in Glasgow vom letzten Herbst. Der Pub ist übrigens ein echt uriger welcher, total verschachtelt über zwei Etagen. Insgesamt recht groß das Teil - trotzdem mit nur zwei Pissoirs, genau wie im Pfennig...
Das Stadion (Tivoli) liegt auf der anderen Seite des Bahnhofs und ist locker zu Fuß zu erreichen. Nach mehr als peniblem Gefilze (österreichisch: „Perlustrieren" - hört sich echt pervers an!) betraten wir den B-- LOCK und waren schon ein wenig enttäuscht über den schwachen Besuch. Höchstens 250 Celts bevölkerten den Gästesektor. Die Hälfte der Belegschaft bestand aus St.Pauli-Fans, Groundhoppern und sonstigen Celtic-Sympathisanten aus Österreich und Umgebung. Der Support paßte sich dem grottenschlechten Spiel an, so daß - man höre und staune - das ein oder andere mal wir St.Pauli-Fans zum Singen anstimmten. Ich meine, das Match war - vor allem aus Sicht der Grün-Weißen - wirklich unter aller Kanone. Celtic kann froh sein, hier nicht haushoch eingegangen zu sein. Um so größer der Jubel beim abgefälschten und überaus glücklichen Anschlußtreffer kurz vor Schluß, den Kriller nicht mehr mitbekam, da er bereits Mitte der ersten Halbzeit wegen Betretens der Baustelle des Stadions verwiesen wurde (keine Macht den Drogen!). Aber was soll man auch machen, wenn's kein Bier im Stadion gibt? Milch trinken? (gab's wirklich) Ansonsten wollten keine 6.000 Zuschauer das Spiel sehen, wobei wegen der UEFA-Schwachmaten eh nur 6.800 (!) zugelassen waren. Merken die noch was? Was haben völlig leere Stehplatztribünen bitte im Entferntesten mit Hillsborough zu tun??? Lassen wir das Thema, hat ja keinen Sinn. Die Diskussion ist gelaufen und der Kampf gegen die Versitzplatzung auf internationaler Bühne wohl verloren. Die Tirol-Fans in der überdachten Kurve hielten ein Transpi mit der Aufschrift „Wandelt auf den Spuren eurer Väter" (?) hoch und konnten einigermaßen überzeugen. Die Celtic-Spieler dagegen nicht, der Anschlußtreffer (abgefälschter Freistoß) war äußerst glücklich!
Draußen trafen wir Kriller wieder und Brian, der uns eigentlich noch die neusten TIOCFAIDH AR LA aus dem Bus holen wollte, es aber nicht mehr schaffte, da diese sofort losfuhren. Seltsame Sitten sind das immer wieder. Da fahren die Celts 20-30 Stunden im Bus zu einem Spiel, um sofort nach dem Spiel wieder abzudüsen. Leider hast du als Celtic-Fan fast keine Chance 'alternativ' zu reisen, da es Tickets dort nur in Verbindung mit Busreisen gibt. Ich halte das für völlig schwachsinnig und hierzulande für undenkbar. Aber wer die totale Versitzplatzung mit all seinen Folgen ohne nennenswerten Widerstand über sich ergehen läßt, mit dem kann man ja alles machen. Oder, liebe Fußball-Fans in England/Schottland? Selbst Schuld, könnte man manchmal denken, doch dafür geht mir das Schicksal von Celtic und das seiner Anhänger zu nahe. Danach wurden wir in die Kneipe des Tirol-Fanclubs „Verrückte Köpfe“ eingeladen, wo wir unsere durstigen Kehlen endlich mit ein paar Bierchen kühlen durften. Die Jungs sind teilweise ganz nett, teilweise nicht. Näheres dazu laßt euch von Heiko erzählen, der kann den Dialekt besser nachmachen (Running Gag der Tour „schleich di!"). Nachdem wir in der Gegend nach Gartenzwergen, die befreit werden wollten, Ausschau gehalten haben (keine gefunden), gings per Taxi zu Werner zum Knacken. Nach einem leckeren (Kater-)Frühstück und dem Lesen einiger bescheuerter Fußballmagazine/Stadionzeitungen (es gibt in Tirol übrigens ein Kaff namens „Rangersdorf“!!!) und witziger Studenten-Kampfblätter zog's uns von dannen, nachdem der superfürsorgliche Werner uns die Kühltasche mit ohne Ende Flaschenbier, Sirup und einer Buddel Rum (die Ösis denken wohl, das trinken alle Hamburger Seefahrer – okay, wir waren ja auch auf großer Fahrt) bestiegen schwitzend unseren wieder stinkeheißen Bus und heizten gen Salzburg.
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(Bericht von Raphael aus Splitter Nr. 14)
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| 12.08.1997, [Raphael (Splitter)] |
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