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Berichte
Ná bí ag magadh!
Viel mehr Freude als der eigene Verein macht weiterhin Celtic Glasgow auf dem Weg zum "Treble" (Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Ligapokal) und der Verhinderung von „ten in a row" der Rangers. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der UEFA-Cup-Quali und dem schlechten Start in der Liga hat sich die Mannschaft von Trainer Wim Jansen, der erst Mitte Juli verpflichtet wurde, gefunden. Die Neuverpflichtungen sind allesamt eine Bereicherung, und unscheinbare Spieler wie Wieghorst spielen eine geniale Saison. Zu guterletzt wurde für den schwächsten Teil der Mannschaft, den Sturm, noch der norwegische Nationalspieler Bradbaeck verpflichtet. Mit ihm steigt auch die Hoffnung, den Rangers bei den erzielten Toren gleichzuziehen. Die Abwehr um Stubbs und Rieper (kam von West Ham) ist das Prunkstück Celtics und man steht punktgleich mit den Huns und Hearts auf dem zweiten Platz. Die Meisterschaft ist wahrscheinlicher als im letzten Jahr, da Rangers bisher noch keine überzeugenden Auftritte hatte und im Old Firm am (Tag nach dem) Neujahrstag chancenlos war. Celtic muß allerdings seine unnötigen Niederlagen gegen kleine Teams zukünftig vermeiden (im Pokal gab es in der ersten Runde nur ein glückliches 2:0 gegen einen Zweitligisten), denn immer kann Rangers nicht so schlecht spielen. Der Sieg gegen die Huns am (Tag nach dem) Neujahrstag war der erste seit 10 Jahren in einem Old Firm an diesem Tag (nach dem Neujahrstag...) und der erste allgemein seit über zweieinhalb Jahren (das 3:0 am 7.5.95 im Hampdon Park, siehe SPLITTER # 4, d.T.) . Nach dem Gewinn des Coca-Cola-Cups gegen Dundee (siehe Extrabericht) ist für Celtic als einzige Mannschaft in Schottland sogar noch die Erringung aller drei Trophäen möglich, was zuletzt 1968 glückte.
Der Spaß und die gute Stimmung auf den Rängen (besonders beim League-Cup-Endspiel) wird allerdings weiterhin durch die Arbeit der Funktionäre beeinträchtigt. Präsident Fergus McCann hat zwar angekündigt, einen Teil seiner Anteile zu veräußern, doch sind bereits alle wichtigen Posten von konservativen Unionisten und McCann-Getreuen besetzt. Die Ordner haben während der Spiele nichts besseres zu tun, als irische Fahnen zu beschlagnahmen, Leute, die irisch-historische Gesänge anstimmen, die Dauerkarte abzunehmen, und Fans, die stehen bleiben, den Verweis vom Stadion anzudrohen. Die letzte Lücke im Stadion wird mit dem Bau eines „Family-Stands" (dadurch natürlich weitere Veränderung der Fanszene) geschlossen und die Kapazität auf 54000 erhöht (im TAL hatte man die Idee, daraus einen Stehplatzb-- LOCK zu machen, aber davon ist man bei Celtic so weit entfernt wie St.Pauli vom Gewinn des Weltpokals... df.). Die eindeutig anti-irische Einstellung der Funktionäre wird aber nicht nur von einem Großteil der normalen Fans nicht geteilt. Bei einem Heimspiel Celtics kam es in einer der VIP-Logen zur Hauerei zwischen 10-15 Leuten, nachdem einer der Anwesenden die „Sash“ (Lied der Loyalisten im Norden Irlands, des Orange Orders und der Huns) angestimmt hatte und ein anderer Teil der Logenbesucher ihm dafür eine Abreibung verpassen wollte (das bedeutet: nicht Stehplätze, sondern VIP-Logen abschaffen, um Krawalle zu verhindern).
Ärger mit Ordnern oder anti-irisch-republikanischer Einstellung gibt es nicht nur im Stadion, sondern auch drumherum. In Teilen des umliegenden Gebietes wohnen hauptsächlich unionistisch-protestantische Rangers-Fans, und es kommt aufgrund der mangelnden Polizeipräsenz oftmals zu Übergriffen. 1999 wurde ein 16-jähriger Celtic-Fan von dem jugendlichen Loyalisten Jason Campbell aufgrund des „falschen" Trikots erstochen. Campbell wurde geschnappt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In der Gegend gab es laut Polizeistatistik in den letzten zwei Jahren nach Celtic-Spielen 38 solcher sektiererischer Attacken, und die Häuserwände sind voll mit glorifizierenden Sprüchen pro Campbell. Nach dem Celtic v Motherwell Spiel Oktober im Parkhead wurde erneut ein Celtic-Fan mit dem Messer angegriffen und am Hals verletzt. Der Täter verschwand mit einem wartenden Auto, die Wunde wurde mit 10 Stichen genäht und es fehlte nur l mm zum erfolgreichen Durchschneiden der Halsschlagader. Die Polizei wollte den Fall aufgrund von Aussichtslosigkeit erst nicht untersuchen. Campbell gilt für die Jugendlichen des Bezirks als Held, dem nachgeeifert werden muß. Nachdem sich dann auch noch ein Herr Ervine, der Abgeordneter der PUP im Glasgower Parlament, für Campbell einsetzte und sich für seine Verlegung zu den Loyalisten der UVF in Long Kesh einsetzte, war der Märtyrerstatus Campbells geboren und Nachahmern die Türen geöffnet.
Doch nicht nur in Glasgow wird das Leben als Celtic-Fan gefährlicher. Nach der Eskalation der Situation im Bürgerkriegsgebiet im Norden Irlands herrschte während des Old Firms am (Tag nach dem) Neujahrstag höchste Alarmstufe für die nordirische Polizei RUC. Viele der einheimischen Celtic-Fans, die keine Karten bekamen oder denen das Geld für die Fahrt fehlte, trafen sich in Ihren Kneipen, um das Spiel im Fernsehen verfolgen zu können. Damit bildeten sie eine optimale Zielscheibe für die loyalistischen Terror-Kommandos, die in jedem Celtic-Fan einen Katholiken und in jedem Katholiken ein gerechtfertigtes Opfer sehen. Schon Silvester und in den davor und darauffolgenden Nächten wurden Kneipen und Discos mit bekanntermaßen katholischem Publikum angegriffen und insgesamt 8 Menschen getötet. In der Silvesternacht war das Ziel der Loyalisten die „Clifton Bar“ im Stadtteil Cliftonville in Belfast (der Stadtteil Cliftonville hat 1/6 der 3.200 Bürgerkriegstoten in ganz Nordirland zu beklagen). Die Bar liegt nur 300 m vom Stadion Solitude von Cliftonville FC entfernt, und auch nur 300 m vom nächsten protestantisch-loyalistischen Viertel. Nach den Spielen und zu Partys trifft sich auch der Cliftonville FC Fanclub ,,Clifton Reds" in dieser Kneipe.
Die neuerliche sektiererische Gewaltwelle der Loyalisten begann, nachdem die INLA (Irish National Liberation Army), eine Abspaltung von der IRA, im Hochsicherheilsgefängnis Maze (im Volksmund „Long Kesh“ genannt) den dort wegen Morddrohung einsitzenden Führer der LVF (Loyalist Volunteer Force) Billy Wright erschossen hatte. Die Attentäter der INLA kletterten über das Dach des gemeinsamen H-Blocks (ein Flügel des H gehört der LVF, der andere der INLA) in den Hof, von dem Wright zum Besucherzentrum gefahren werden sollte. Wright (auch „King Rat“ genannt) wurde konfessionsübergreifend von nahezu allen Menschen Irlands gefürchtet und gehaßt. Er soll für 40 sektiererische Morde an Katholiken verantwortlich sein und hat drei vorherige Anschlage der IRA überlebt. Er war Mitglied der UDA (Ulster Defence Army), die ihn, nachdem er sich gegen die Entscheidung des Armeerates der UDA zum Waffenstillstand ausgesprochen hatte, ausschloß und nach weiteren Morden auf eigene Faust dazu verurteilte, das Land zu verlassen oder hingerichtet zu werden. Wright blieb und gründete die LVF, die in den letzten drei Jahren u.a. ein katholisches Mädchen, das mit einem Protestanten zusammen war, Aktivisten der GAA (Gaelic Athletic Association) und katholische Taxifahrer und Lieferanten erschoß. Die von ihm kreierte Methode wurde „dial a catholic" genannt, da die Gruppe katholische Taxifahrer und Lieferanten zu einem Ort bestellte wo der Mörder wartete. Nach dem Tode Wrights verstärkte die LVF ihre Tätigkeiten, und es kam zu den zahlreichen Attacken und Morden in den Wochen zwischen Weihnachten und Mitte Januar. Die anderen loyalistischen Terrorkommandos UDA, UVF und UFF hielten sich offiziell noch an den Waffenstillstand, wobei die Aktionen der LVF in Belfast Verwunderung auslosten. Die Hauptstadt ist und war immer das Terrain der beiden großen Terrororganisationen UDA und UFF, die die Bezirke untereinander aufgeteilt halten, und die LVF hatte nur Rückhalt in der Heimatstadt Wrights Portadown und der ländlichen Umgebung. Die TVF konnte und durfte in Belfast nicht ohne Einwilligung oder Hilfe der UDA und UFF agieren. Nach mehreren Morden und Anschlägen in Belfast wies selbst der RUC-Chef Flanagan daraufhin, daß die UDA nach Zeugenaussagen beteiligt war und damit der politische Flügel UDP von den All-Parteien-Gesprächen ausgeschlossen werden müsse. Die loyalistischen Terroristen und ihre Parteien legten immer Wert darauf, Sinn Fein nur mit gleichzeitigem Waffenstillstand der IRA zu den Gesprächen zuzulassen., und das auch dann nur mit Widerwillen und unter großem Protest. Nun ist das Geschrei bei den Unionisten groß, ein Ausschluß der UDP würde ein Ende der Friedensverhandlungen bedeuten. Die UDP kam schließlich einem Ausschluß zuvor und verließ die Gespräche für 6 Wochen, um dann bei anhaltender Waffenruhe der UDA wieder zugelassen zu werden.
Daß die Verhandlungen und All-Parteien-Gespräche überhaupt noch stattfinden, ist ein Wunder oder auch Zeitverschwendung. Man kommt sich in keinem Punkt näher, die Unionisten/Loyalisten/Nationalisten und Republikaner beharren auf ihren Positionen und stehen jeder Veränderung zur anderen Seite negativ gegenüber. Die meisten Veränderungen betreffen die Unionisten/Loyalisten, die sich von jahrhundertelangen „Rechten'" und Pfründen nicht trennen wollen, auch wenn sie Ungerechtigkeit bedeuten. Als zu Weihnachten viele Gefangene (von beiden Seiten) für ein paar Tage zu ihren Familien gelassen wurden und einige republikanische Gefangene von England nach Irland näher zu ihren Familien verlegt wurden, drohten die Unionisten mit dem Abbruch der Gespräche, da ihre Gefangenen nicht das gleiche bekämen. Das Problem dabei ist und war, daß es gar keine loyalistischen Gefangenen in England gibt, die man hätte verlegen können. Aber trotzdem handele es sich dabei ganz deutlich um einseitige Zugeständnisse (wie arm sind die eigentlich?).
Ein republikanischer Gefangener von der IRA nahm sich selbst einen Weihnachtsurlaub. Nach einer Weihnachtsfeier mit den Familien im Hochsicherheitsgefängnis Long Kesh tauschte er die Klamotten mit einer Freundin und verschwand ungehindert in Frauenklamotten in die Freiheit und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Als die britische Regierung Mitte Januar bekannt gab, die Vorgänge um den Bloody Sunday (30.1.1972: nach einer Menschenrechtsdemonstration wurden in Derry 16 unbewaffnete Menschen von Fallschirmjägern erschossen) neu zu untersuchen und dieses Mal alle Beweismittel zuzulassen (eine Forderung der republikanischen Bewegung seit 26 Jahren), als dann auch noch der Pressesprecher der britischen Regierung von 1972 zugab, daß seine Aussage, ein Teil der Erschossenen sei bewaffnet gewesen, eine Lüge gewesen sei, schrien die Unionisten erneut auf und beschworen ein Ende der Gespräche herauf. Jeder Schritt in Richtung der katholisch-nationalistischen Bevölkerung würde die noch fordernder machen und einige andere Untersuchungen würden folgen. Wieder einmal zeigte sich, dass die Unonisten/Loyalisten viel zu verlieren und verbergen haben. Ein gemeinsamer Inselrat mit Südirland wird abgelehnt, auch wenn die südirische Regierung den Passus auf Wiedervereinigung aus der Verfassung zum Schrecken der nationalistischen Gemeinde gestrichen hatte.
Die Unionisten sind so von der Vergangenheit und der Tradition besessen, daß sie sich verzweifelt an jeden Strohhalm klammern und jede Veränderung des Status Quo als Ausverkauf Nordirlands empfinden. Das sieht man nicht nur an den Streitigkeiten und dem engstirnigen Festhalten an den Routen der knapp 5.000 Paraden der Unionisten/Loyalisten im Jahr. Eine neue Kommission soll sich mit der Zulassung der Paraden und deren Routen beschäftigen, was natürlich nicht ohne negative Kommentierung seitens der Britentreuen blieb. Als Zugeständnis hat die Kommission nun als zusätzliche Aufgabe auch über die Zustimmung von Gaelic- & und Hurlingspielen, dem Anmalen von Kantsteinen und dem Hissen der irischen Fahne zu bestimmen. Bei einem Marsch der Apprentice-Boys (loyalistische Vereinigung. Die Apprentice-Boys huldigen einigen Lehrlingen, die bei dem Ansturm des katholischen Königs Jakob 1689 die Tore der Stadtmauern Derrys schließen konnten), der nach einigen Jahren erstmalig auf der gesamten Stadtmauer Derrys stattfand kam es zu einigen Ausschreitungen und Attacken der Marschierer auf die Anwohner der katholischen Viertel an der Stadtmauer. Die Apprentice-Boys schlugen jeden Kompromißvorschlag der Anwohner bezüglich einer Routenveränderung aus, und die RUC setzte den Marsch trotz großer Gegenproteste durch. Bands mit Emblemen der UVF (Ulster Volunteer Force) spielten auf, junge Loyalsten bewarfen Anwohner mit Flaschen und Steinen. Als ältere Apprentice-Boys schlichten wollten, wurden diese von den eigenen Leuten verprügelt, und die Schlachten der Polizei mit den Anwohnern und den Marschierern dauerten insgesamt 12 Stunden. Währenddessen waren Einkaufende in den Stadtmauern und Anwohner vor den Stadtmauern ein- bzw. ausgeschlossen, und die Einkaufszentren und Läden hatten hohe Umsatzeinbußen. Aber Hauptsache, der Marsch fand auf der traditionellen Route von vor 300 und x Jahren statt.
Aufregen durften sich die Unionisten schließlich wieder, als der britische Premierminister das erste Mal seit Michael Collins 1921 mit Gerry Adams einen republikanischen Führer in seinen Amtssitz in der Downing Street einlud. Das Gespräch dauerte länger als die zugesagten 10 Minuten, und Adams antwortete auf die Fragen der Journalisten vor der Tür nur auf gaelisch. Grund genug für die Unionisten, das x-te Mal in wenigen Wochen die Drohung auszusprechen, die All-Parteien-Gespräche und Friedensverhandlungen zu verlassen. Diese Drohung werden sie allerdings nicht wahrmachen. Denn die britische Regierung will eine Lösung erzwingen, und das möglichst bald. Wenn notwendig auch über die Köpfe der protestierenden Parteien und Organisationen. Ob das dann einen langfristigen Frieden bringt, ist eher unwahrscheinlich.
Aufgrund der ganzen Attacken und Mordanschläge der Loyalisten und dem nicht erkennbaren Fortschritt bei den Gesprächen wird auch die Unruhe in den Reihen der IRA immer größer. Man will die Rolle des Verteidigers und der Schutzmacht der katholischen Bevölkerung wieder aufnehmen und sieht keinen weiteren Sinn mehr in der Fortsetzung von Gesprächen. Man wolle dahin zurückkehren, was man am besten könne, dem Kampf. Die Situation ähnelt der von 1969, beim Beginn der Unruhen. Der Ruf nach Schutz und Sicherheit, die die britische Armee und die mehrheitlich protestantische Polizei RUC nicht bieten kann, wurde in der katholischen Bevölkerung laut. In den letzten 12 Monaten vor der Ermordung von Billy Wright gab es in Nordirland von Seiten der Loyalsten sieben ermordete Katholiken, 3 bombardierte Büros von Sinn Fein, 5 zerstörte katholische Kirchen, 50 aus ihren Häusern vertriebene katholische Familien und ein unter den Augen der RUC erschlagenen katholischen Jugendlichen. Der Waffenstillstand der Unionisten war lange gebrochen. Die Menschen sind des Mordens leid (Gerry Adams und der Vorsitzende der unionistischen DUP beklagen durch Loyalisten ermordete Familienmitglieder), aber sehen auch in den festgefahrenen Gesprächen der Parteien keinen Sinn mehr. Rund um den Bloody-Sunday-Marsch in Derry mit 25.000 Teilnehmern kam es im ganzen Land zu konfessionsübergreifenden Demonstrationen gegen Gewalt. Die britische Regierung muß die Unionisten/Loyalisten endlich zwingen, sich auf Kompromisse und wirkliche Gespräche einzulassen, um eventuell noch eine Lösung zu erhalten. Doch die britische Regierung hat Angst vor der eigenen Courage. Sie entscheidet lieber, daß Roisin McAliskey trotz fehlender Beweise nach Deutschland ausgeliefert werden kann, um ihr den Prozeß wegen eines Anschlages auf eine britische Kaserne in Osnabrück machen zu können. McAliskey bekam im Gefängnis ein Kind, das nun schon länger in seinem Leben im Knast war als Lee Clegg. (Clegg war ein Fallschirmjäger der britischen Armee, der schuldig gesprochen wurde, einen unbewaffneten und unschuldigen Katholiken erschossen zu haben. Nach nicht mal einem Jahr Haft wurde er wieder freigelassen, mit Orden dekoriert und befördert.)
Eine von den Republikanern und Nationalisten angestrebte Wiedervereinigung Irlands wird sicherlich nicht den von den englandtreuen Protestanten heraufbeschworene Verlust von Rechten durch Einmischung der katholischen Kirche und des Papstes bringen. Doch auch im Süden ist einiges zu verändern, und die katholische Kirche teilweise noch zu mächtig. Als neue Präsidentin wählten die Südiren die katholische Nordirin McAleese (Ihre Wahl wurde von den Unionisten natürlich kritisiert. Und das nur, weil sie im Stadtteil Ardoyne in Belfast geboren wurde. Sie mußte dort mit ansehen, wie Ende der 60er Jahre die Familie von Loyalisten aus dem Haus getrieben und ihr taubstummer Bruder halbtot geschlagen wurde). Sie ist erklärte Abtreibungsgegnerin und seit ihrer Wahl wurde erstmals wieder einer 14-jährigen die Ausreise nach England zur Abtreibung verboten. Dafür wird ein Pfarrer, der in seiner Gemeinde Frauen vergewaltigte, in eine andere Gemeinde versetzt, bis er dort wieder Frauen vergewaltigte. Das ging eine ganze Zeit so, und jetzt darf er sogar im Knast für seine Mithäftlinge die Messe lesen. Was für Zustände.
Himmlische Zustände herrschen dafür zur Zeit beim Tabellenführer der Irish League in Nordirland Cliftonville FC aus Nord-Belfast. Im letzten Jahr noch durch einen Sieg im letzten Spiel den Abstieg in die zweite Liga verhindert, ist man jetzt Spitzenreiter vor den reichsten Vereinen der Liga, Portadown und Linfield. Portadown hatte im Sommer die beiden besten Spieler von Cliftonville gekauft, und drei weitere Stammspieler (u.a. Topscorer Paul Stokes an die Shamrock Rovers) mußten abgegeben werden. Man konnte sich in Nord-Belfast aus Geldmangel nur mit jungen Talenten aus der Umgebung verstärken. Außer dem englischen Torwart, einem Dubliner und einem aus Derry sind alle aus Nord- oder West-Belfast, den nationalistischen Gegenden Belfasts. Nur fünf Spieler sind älter als 26, und mit dem 19-jährigen Stürmer Jody Tolan hat man ein Supertalent in den Reihen, das im nächsten Jahr wohl in der Nationalelf und in der englischen Premier League spielen wird. Die Hälfte der Spieler spielt seit ihrem 16. Lebensjahr beim Verein (das würde ich mir von St.Pauli auch mal wünschen. Und trotzdem Erster in der Bundesliga vor den geldstinkenden Bayern und Dortmund). Die Reds aus Nord-Belfast haben zur Zeit nur den Torwart als Vollprofi mit 3000,- DM Monatslohn, Portadown hingegen zahlt seinen Spielern 3000,- in der Woche. Das letzte Mal Meister wurde Cliftonville FC in dem legendären Jahr 1910. Danach ging es immer bergab und man war bis 1972 noch der einzige Club in Nordirland der seine Spieler nicht bezahlte. Der größte Erfolg der letzten Zeit war der Gewinn des Pokals 1979 und das Erreichen des Finales im letzten Jahr. 1987 mußte der Club beinahe Konkurs anmelden und ist immer noch einer der ärmsten der Liga. Doch die Chance Meister zu werden ist da, auch wenn es Fans (die Zuschauerzahlen steigen nur langsam über den Schnitt von 1000), Trainer und Mannschaft noch nicht wahrhaben wollen. Außerhalb des Platzes ist es für die Molotow-Cocktails und Steinhagel gewohnten Cliftonville-Fans zur Zeit noch ruhig, wobei man in den letzten Wochen seit der Eskalation der Anschläge meist Heimspiele hatte. Im Februar müssen die katholischen Fans wieder in unionistisch-loyalistische Gegenden, und Ärger ist vorprogrammiert (Dank an Stephen von den Clifton Reds und viel Spaß bei den Meisterschaftsfeiern).
(Anm. d. T.: Ist euch schon mal aufgefallen, daß Gazza aussieht wie Billy Wright?)
(Bericht von Heiko aus Splitter Nr. 16)
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| 21.01.1998, [Heiko (im Splitter)] |
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