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VON SCHAFEN, TONY ADAMS UND ANDEREN FUSSBALLHELDEN

Ursprünglich wollten wir lediglich das deutsche Vorbereitungsspiel in Cardiff gegen Wales schauen und dies mit dem Champions League Finale in Glasgow verbinden. Beim Planen der Fahrt boten sich immer mehr Spiele an, die man rund um diese beiden Partien auch in die Fahrt mit einbinden konnte. Letztendlich ergab sich folgende Reiseroute: Hamburg-Leeds-Glasgow-Aberdeen-Glasgow-London-Cardiff-Glasgow-Dublin-Hamburg. Am Samstag starteten wir dann zu zweit mit Ryanair ab Lübeck. Jetzt hatte ich endlich mal das Vergnügen mit der Billig-Airline zu fliegen. Eigentlich muss man ja ein wenig skeptisch sein, wenn eine Fluggesellschaft ihre Flüge für ein paar Piepen raushaut. Der Flug war aber absolut okay, der Sicherheitsstandard ist bei Ryanair ja auch nicht anders als bei anderen Airlines in Europa. An Bord waren wir nicht die einzigen Fussball Fans. Ein paar von dem anderen Verein aus Hamburg waren ebenfalls unterwegs, wohl auch mit dem Ziel unsere Elf in Cardiff zu unterstützen. ... Aberdeen-Celtic Glasgow 0-1 In Glasgow quartierten wir uns dann erst mal bei einem Freund (Mikel) von meinem Mitfahrer Ralph ein, bevor wir noch ein paar Pubs im Glasgower Stadtteil Govan aufsuchten. Am Sonntag ging es dann nach einem echten Govan-Breakfast (Govan-Pizza), zum letzten Punktspiel der Saison von Celtic, nach Aberdeen. Die Fahrt in einer der zahlreichen Celtic-Bussen wurde uns von der Busbesatzung, die alle für uns einen Pfund mehr für die Fahrt bezahlten, gesponsert. Im Bus durfte man eigentlich kein Alkohol trinken, aber gehalten hat sich da sowieso keiner dran. Brause und Cola Flaschen wurden zu Mixgetränken mit Wodka oder Whiskey umfunktioniert. Auf der Fahrt wurden mir mehrere Geschichten über die tierischen sexuellen Neigungen der Aberdeen Fans zu Schafen erzählt. So sollen die Aberdeen Fans mal mit 30 Leuten auf einer Weide gestanden haben und Schafe missbraucht haben, bis die Polizei eingriff. So richtig glauben konnte ich das ja nicht, aber als in die Zeitung schaute und dort auch das Wort Sheeps (Schafe) im Zusammenhang mit Aberdeen Fans (auch genannt Sheep-Shaker) fiel, war ich ziemlich baff. Das Stadion in Aberdeen (Pittodrie) liegt direkt am Meer und bietet einen tollen Panorama-Blick. Ca. 8.000 Celtic Fans legten während den 90 Minuten einen klasse Support hin und konnten am Ende einen 1:0 Sieg bejubeln. Die Aberdeen Fans waren eigentlich die ganze Zeit nur am provozieren und pöbeln. Was müssen die denn bitte noch rumhupen, geht auf die Weide zu euren Sheeps! Auf der Rückfahrt gab es dann wiederum einen klasse Catering-Service und abends in Glasgow wurde dann der Saisonabschluss nach ein wenig gefeiert. Arsenal London-Celtic Glasgow 1-1 Am Montag fuhren wir dann wieder zu einem Celtic-Spiel. Tony Adams, langjähriger (alkoholerfahrene) englische Nationalspieler und Arsenal-Spieler, gab im Highbury sein Abschiedsspiel. Dazu hatte er Celtic als Gegner von Arsenal eingeladen. Also, das Spiel der Meister von England und Schottland. Das Spiel war schon seit Tagen ausverkauft, aber wir hatten uns 2 Tickets zurücklegen lassen. Die holten wir dann nach einer sechsstündigen Bahnfahrt von Glasgow nach London, in einem Pub ab. Hier trafen wir dann auch Thopö und seinen Mitfahrer. Jetzt waren wir dann zu viert. Nach einigen Bieren im besagten Pub machten wir uns auf zum Stadion. Highbury war nun kein Neuland mehr für mich, aber immer wieder Sehenswert. Wie am Vortag waren wieder ca. 8.000 Celts anwesend, die wiederum einen tollen Support hinlegten. Im Gegensatz zu den Arsenal Fans. Nicht ohne Grund hat Highbury seinen Spitznamen "Highbury the Library". Eigentlich hatte ich erwartet, dass es auch vom Spiel her ein Freundschaftsspiel wird, aber nix da. Beide Mannschaften gingen richtig zur Sache und Celtic 1:0 in Führung. In Halbzeit zwei konnte Arsenal, die mit eigentlich allen Stammspielern angetreten waren (Celtic nur bedingt), noch zum 1:1 Endstand ausgleichen. Der Rest war dann nur noch Tony Adams abgefeiere. Die Arsenal Fans bedankten sich mit Standing-Ovations beim Celtic-Anhang für die gute Atmosphäre. Nachdem Tony Adams dann die zehnte Ehrenrunde gelaufen war, verabschiedeten wir uns dann Richtung Auto (Thopö war mit Auto angereist). Eine Schlafgelegenheit in London konnten und wollten wir letztendlich auch nicht mehr finden, deshalb fuhren wir schon Nachts nach Cardiff, wo am nächsten Tag das Spiel Wales gegen Deutschland anstand. ... Aufgrund des Cl-Finals hatten die Kneipen an diesem Abend in Glasgow länger auf. Dies nutzten aber eher die Einheimischen aus und nicht die Fußball Fans. Die Stadt war gegen 1 Uhr zwar noch recht voll, aber Fußball Fans waren kaum noch zu sehen. Wir nutzten die verlängerte Sperrstunde auch nicht mehr aus, da wir am nächsten Tag (ab da dann wieder zu zweit) unseren Flug von Edinburgh nach Dublin erreichen mussten. Nach einem kurzen aber guten Frühstück von Mikel (Danke an dieser Stelle für Übernachtung, Speis und Trank), fuhren wir mit dem Zug nach Edinburgh. Dort hatten wir dann am Flughafen das Vergnügen auf den "harten Kern" der Bayer Fanszene zu treffen: Die Leverkusener VIP Fans. Alle um die 45 Jahre alt, die Männer im Anzug und Lev-Krawatte, die Damen ebenfalls pieke angezogen , in der einen Hand die Handtasche und in der anderen ein Lev-Fähnchen. Also eins steht fest: So werde ich nie enden. Irland-Nigeria 1-2 Nach nicht einmal 45 Minuten Flug hatten wir Dublin erreicht. Dort holten wir uns erst mal unsere vorbestellten Tickets für das Freundschaftsspiel zwischen Irland und Nigeria ab. Für die Übernachtung war auch schon gesorgt, denn mein Mitfahrer Ralph hat nicht nur gute Kontakte nach Glasgow, sondern auch nach Dublin. Also alles klar, ab nach Temple Bar und aufs Spiel vorbereiten. Beim letzten Auftritt Irlands auf europäischem Boden vor der WM, sollten die Spieler ordentlich von ihren Fans verabschiedet werden. Die Lansdowne Road war mit 48.000 ausverkauft. Nigerias Anhang zählte immerhin 200 Fans, die ganz gut Alarm machten. Irland machte eigentlich das Spiel, aber Nigeria die Tore. 2:0 für Nigeria hieß es zwischenzeitlich, ehe Irland noch den Anschlusstreffer machte. In den Schlussminuten peitschten die Iren ihre Mannschaft immer wieder nach vorn, aber die Niederlage konnte nicht mehr abgewendet werden. Nach dem Spiel ging erst mal keiner nach Hause. Die Abschiedsfeier für die irische Mannschaft zur WM folgte. Die Fans feierten ihre Mannschaft frenetisch. Bengalos wurden gezündet, das ganze Stadion sang "Fields of Athenrey". War schon unglaublich was da abging. Unsere Tour neigte sich mittlerweile dem Ende hin. Am nächsten Tag wurden noch Dublins Pubs ein wenig erkundet, bevor wir Dublin mit Ryanair Richtung London verließen. In London mussten wir uns dann die Nacht zum Samstag vorm verschlossenen Bahnhof um die Ohren hauen, bis der Zug zum ersten Flieger nach Lübeck fuhr. Im Bus-Shuttle von Lübeck nach Hamburg saß ein Vater mit seinem Sohn, die mich ganz entsetzt fragten, wieso wir denn nicht in Hamburg gelandet sind, sondern nach Lübeck geflogen sind. Tja, das sind eben die Besonderheiten von Ryanair. Hamburg-Lübeck ist eben nicht Hamburg-Fuhlsbüttel. (Bericht von Jan aus Nachgetreten Nr. 10)
22.09.2001, [Jan in Nachgetreten]