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Berichte
Unterwegs im Osten Europas
Um 05.30 Uhr ging’s zum Bahnhof, von wo mein Zug nach Budapest fuhr. Hier war bereits eine um diese Uhrzeit nie gesehene rege Betriebsamkeit. Komisch. Wo wollen all diese Leute hin?
Die Zugfahrt verlief landschaftlich wunderschön durch die Walachei, dann durch die Karparten, an Draculas Heimat vorbei, quer durch Transsilvanien (Siebenbürgen) mit seiner deutschstämmigen Minderheit. Auf dieser Fahrt hat man einige Impressionen des rumänischen Landlebens mitbekommen: Mit Heuballen beladene Pferdekarren, Esel am Strassenrand, alte Omas, die mit 20 kg Holz auf dem Rücken ins nächste Dorf ächzten. So muss es hier vor 100 Jahren wohl auch ungefähr ausgesehen haben. Eine Reality-Reise in die Vergangenheit. Nach 14 Stunden erreichte ich Budapest.
Hier begab ich mich auf die Suche nach den Celts. Es waren aber nur vereinzelte Celtic-Fans in der Stadt unterwegs. Immerhin traf ich noch „Geordie-Celt“, mit dem ich den Rest des Abends verbrachte.
MTK Hungaria FC – Celtic FC (Champions League Qualifikation 3. Runde) 0:4
Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf den Weg zum Nationalstadion, wo ich dann ein paar St. Paulianer traf. Es waren wohl so 12-13 Leute von uns da. Die meisten davon mit einem Kleinbus aus HH angereist. 24 Euro für ein Ticket war ein ungewohnt hoher westeuropäischer Preis, den ich hier nicht erwartet hatte. Überhaupt steht diese Stadt, was Kommerz, Prunk und Konsum angeht westeuropäischen Metropolen in nichts nach. Die grosse Stadt und die Touristenmassen aus den USA, Japan und Westeuropa schluckten die wenigen Celts quasi auf.
Treffpunkt für die Celtic-Fans war ein Irish-pub in der Nähe des Nyugati-Bahnhofs. Hier traf ich auch einige Bekannte und man verbrachte eine angenehme Zeit. Irgendwann marschierte jedoch eine Busladung stiernackiger Dinamo Zagreb-Fans/Hools („Bad Boys Blue“) in den Pub, was zu einer allgemeinen Irritation führte. Ich bin sogar der Meinung, dass die Musik ausging. Eine Atmosphäre wie in einem Western, in dem die berüchtigten Postkutschenräuber einen Saloon betreten und der Klavierspieler aufhört zu spielen.
Nach ein paar Minuten war das Eis aber gebrochen. Die Musik ging wieder an. Man kam ins Gespräch. Die Dinamo-Fans brüllten ihre Lieder, Celtic sangen ihre und Fanutensilien wurden getauscht. Grund für deren unerwarteten Besuch war folgender: Zagreb musste in der CL-Quali in Kiev spielen. In einer ukrainischen Pizzeria gab es Ärger und die Kroaten wurden des Landes verwiesen und zurückgeschickt. Auf dem Rückweg schauten sie dann in Budapest vorbei.
Im Stadion liessen sie sich dann auf der Gegentribüne nieder und machten von allen drei Fangruppierungen den meisten Alarm. Die Hoops hatten letztlich 900 Anhänger dabei, die sich allerdings auf drei getrennte Blöcke verteilten. So etwas wie Stimmung zu initiieren wurde auch gar nicht erst versucht. Fast alle versuchten ihre Zeit „abzusitzen“. Der jüdische Club MTK ist zwar der ungarische Meister, hat aber im Gegensatz zu den grossen Budapester Clubs Ferencvaros oder Ujpest kaum Fans und dementsprechend war die Stimmung dererseits, wie bei einem Heimspiel von Fortuna Köln.
Nach dem Spiel wurden die meisten Gäste in Bussen direkt zum Flughafen gekarrt. Für mich wurde der Abend nach ein paar Lagern mit zwei St. Pauli-Sympathisanten für beendet erklärt, da ich nicht mehr geradeaus laufen konnte.
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(Bericht von Buddy aus Nachgetreten Nr. 13)
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| 23.09.2001, [Buddy (in Nachgetreten)] |
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