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Berichte
1860 (A) vs. Bayern (A) und FC Bayern vs. Celtic
War das eine Aufregung im August. Einen Tag vorher bin ich schon heiß gelaufen auf wen Celtic in den Gruppenspielen treffen könnte und dann am Tag selber vergesse ich die Übertragung auf N24 anzusehen. Sachen gibt´s! Nun gut, für die deutschen Hardcore Celtic Supporter eine nette Gruppe. Brüssel, Lyon und München. Allesamt Städte in Nachbarländern ;-)
Nach einer unproblematischen Organisation im Vorfeld konnte es bereits Montag Nacht losgehen. Als alte Pfennigfuchser hatten wir uns für eine mehr oder weniger kostengünstige Anreise mit einem Spezialtarif der Deutschen Bahn entschieden. Leider waren die 29 Euro Plätze in unserem Nachtzug von Köln nach München schon weg und wir durften dann die 39 Euro Plätze in einem 6er Liegewagenabteil nehmen. Eines sage ich Euch, Hühner in einer Legebatterie haben mehr Platz! Also nur Sachen verstaut und wieder raus Bierchen schlürfen. Danach machten wir direkt Bekanntschaft mit einem sehr netten Schaffner der uns direkt als Randalierer entlarvt hatte. Was können wir dafür wenn einem so´n Feuerlöscher mir nichts dir nichts auf den Fußboden knallt? Nun gut die Fahrt ging weiter und wurde auf dem Gang immer lustiger. In Koblenz dann Zwangsaufenthalt für knapp eine Stunde und unser Abteil wurde nun ganz voll. Also weiter Granaten rein um irgendwie auf der Gefängnispritsche knacken zu können. Hat dann bei einigen im Abteil sehr gut geklappt (Hallo Holzfäller!) und bei einigen nicht. Um kurz vor 8 Uhr erreichten wir dann die bayerische Hauptstadt.
Hier erst mal orientiert und für läppische 8 Euronen ein Gruppen-Ganztagesticket für den Innenstadtbereich gekauft. Auf Schwarzfahren in diesem noch schwärzeren Bundesland verzichteten wir lieber. Das Ziel Ostbahnhof war schnell erreicht und da wir eh noch Zeit hatten um unsere Gastgeber zu nerven wurde noch ein dekadentes Frühstück eingenommen.
Danach ging es dann zu unseren Hosts Julia und Nigel die in einem gemütlichen Altbau wohnten. Kollege José (Gastschreiber im letzten Nachgetreten) hatte wirklich vorzüglich für uns diese Unterkunft organisiert und Julia und Nigel stellten sich als ultrakorrekte und sehr liebenswerte Leute heraus. Nach einer Dusche und Kaffee und Tee wollte uns Nigel bevor er zur Arbeit musste noch schnell einen Biergarten zeigen. Also taten wir das wofür wir auch angereist waren: der bayerischen Gemütlichkeit frönen! Die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt ließen wir Sehenswürdigkeiten sein (war ja eh jeder schon Drölf Trilliarden Mal in Minga) und hakten in alter Groundhoppermanier fein unsere Punkte ab!;-)
Einige Maß später – Nigel war inzwischen zur Arbeit – kehrten wir dann Touri-like im Hofbräuhaus ein. Dort schnell noch einen Liter verdrückt und es wurde Zeit zu unserem ersten Pflichttermin zu fahren. Kaum kommste aus dem allerletzten Touriloch raus und wer läuft einem über den Weg? Eine Prominente, Katka Riemann war´s. Wollte aber auch nicht mit uns reden, obwohl José artig „Hallo Katja“ sagte.
Ein paar Minuten später waren wir schon im Münchener Arbeiterviertel Giesing und ließen uns erst mal in die Stühle eines Biergartens direkt am Gründwalder Stadion fallen. Das war auch der Treffpunkt der aktiven Bayern Amateure Szene. Ist aber auch ok, da sehr günstige Maß und eine Minute später ist man im Block. Von einem Fan bekam man einen auf englisch gehaltenen Zettel der die Celts zu einem Bier in ihr berühmt berüchtigtes Fanhaus „Red United“ einlud. Leider hatten wir keine Zeit, hätte mich mal interessiert da ich schon viel darüber gehört hatte.
Kurz vor Anpfiff ging es dann in das legendäre Stadion an der Grünwalder Straße. Wahrlich eine super Möglichkeit endlich das Ding mal zu sehen. Wir kauften erm. Karten für 2,50 Euro und stellten uns in die Gästekurve. Freund Annelka pennte aufgrund akutem Schlafmangels sofort auf den Stehplatztraversen ein. Das sollte nicht das letzte Mal sein aber dazu später mehr. Echt ein Wahnsinnsteil dieses Grünwalder und wirklich wunderschön. Das ist Fussball pur ! Auf der Gegentribüne hatte sich ein Haufen von ca. 20 60er Supportern versammelt. Die Haupttribüne und der übrige Teil des Stadions waren mit knapp 200 Zuschauern gefüllt. In der Gästekurve hatten sich die übrigen Bezahlenden der rund 400 Besucher eingefunden.
Das Catering war vorzüglich. Es gab leckeres Flaschenbier und viele unterschiedliche Mampfereien zu zivilen Preisen.
Die Bayernfans standen alle geschlossen in einem Teil des Gästeblocks und lieferten eigentlich einen 90-Minuten-Dauersupport ab. Zum größten Teil coole Sachen wobei ein zwei dämliche Songs dabei waren. Zum Spiel: Erste Halbzeit war etwas langweilig aber die 2. Hälfte war sehr kurzweilig und auf hohem Niveau. Man konnte merken das da viele Akteuere spielen die sich für die Profikader der beiden Clubs empfehlen wollten. Endstand war ein 2:1 für die kleinen Bayern. Ich meine ein gewisser Herr Hasenhüttl (remember unser Spiel zu Hause gegen Fürth ? ) sorgte für den Siegtreffer. Daher natürlich auf Seiten der „Roten“ strahlende Gesichter.
Nach dem Spiel sind wir dann in die Innenstadt gefahren, wo aber nicht viel los war bzw. man später kaum noch was zu trinken bekam, also ab ins hippe Schwabing. Natürlich sagten uns die ganzen Yuppie-Läden nicht zu und wir zogen es vor, in eine schöne antisocial Eckkneipe zu gehen. Dort verließen die letzten Celts gerade den Laden (ob es an uns lag?). Wir hatten dann aber unseren Spaß, direkt mit dem Stammpublikum in Kontakt getreten und als wir dann gegen Mitternacht auch schön der Wirtin Renate zum Geburtstag gratulierten und beim Ständchen mitsangen, gehörten wir quasi zum Kneipeninventar. Lecker Sachen umsonst bekommen und irgendwann die Lampe angehabt. Über 1000 Umwege sind wir dann wieder nach Hause zum Ostbahnhof gekommen.
Der Spieltag begann dann wie der Vortag in Ruhe gefrühstückt und erst mal in der Nähe des Ostbahnhofes in einen gemütlichen Biergarten von wo wir dann gegen Mittag zum Marienplatz aufbrachen. Und endlich normale Leute ! Denn es war schon alles voll von grünen und weißen Hoops. Zudem hielt noch Deutschlands Außenminister Joschka Fischer eine Rede. So viel Ehre für die Gäste von der Insel ? Nachdem wir im Innenhof der Rathausgastronomie die ersten bekannten Celtic Gesichter begrüßen konnten, ging es gemeinsam nach Schwabing in einen Irish Pub. Hier konnte dann noch Peter aus Newcastle und Kevin & Angela aus Glasgow begrüßt werden, die am Wochenende vorher schon in Hamburg beim Spiel gegen Essen waren. Jeder kann sich vorstellen, wie schnell die nächsten Stunden vergingen. Rebel Songs & Beer, Cheers !
Irgendwann war Schicht und es ging Richtung Stadion.
Ohne Probleme und ich meine auch ohne Kontrolle kam man rein und auch die Blockwahl war frei, zumindest hat uns keiner kontrolliert. In diesem B-- LOCK waren dann auch die meisten anderen St. Paulianer die mit den Bussen aus Hamburg angereist waren. Dürften insgesamt ca. 5000 Celtic Supporter im Stadion gewe-sen sein. Der Rest vom Stadion war wie erwartet nicht ausverkauft. Die Ultrá Szene von Bayern stand in der Südkurve und versuchte dort die Stimmung voran zu treiben.
In Halbzeit 1 bekam man kein gutes Spiel zu sehen wobei aber unsere Jungens in Grün und Weiß gut mithielten und vielleicht sogar einen leichten Vorteil hatten.
In der Halbzeitpause wurde man von Seiten der Gastgeber mit mehr oder weniger guten Liedchen „bestrahlt“. Als dann jedoch von den Proclaimers „I´m Gonna Be“ lief flippten die Celtic Supporter mit und sangen den gesamten Song und besonders den Refrain mit voller Inbrunst mit. Saugeile Stimmung, wenn da ein paar Tausend Leute „But I would walk 500 miles, an' I would walk 500 more, just to be that man who walks a thousand miles to fall down at your door “ singen.
In der zweiten Hälfte dann die Überraschung als Celtic mit 1:0 durch ein Tor von Thompson in Führung ging. Leider dauerte es nicht lange und Bayern schoss den Ausgleich und duselte sich am Ende wie immer zu einem 2:1 Heimerfolg. Mensch, da war doch mindestens ein Unentschieden drin und verdient wäre es auch gewesen. Wie immer, außer Spesen nix gewesen.
Der restliche Abend war dementsprechend nicht mehr so prickelnd. Wir kehrten noch einmal in unserer Stammkneipe bei Renate ein und leerten den Kühlschrank unserer Gastgeber, der eigentlich für die restliche Woche mit Vorräten voll war und fuhren am nächsten Tag mit der Mitfahrzentrale für günstig Geld nach Hause.
(Bericht von ABFTOB aus Nachgetreten Nr. 14)
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| 21.10.2003, [ABFTOB] |
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