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Mit dem Taxi nach Teplice oder: Warum schmeckt tschechisches Maoam nach Seife? Eine Celtic Soap

Alles fing sehr spontan im Kroppbus an. Eine Handvoll notorischer Amateurfans beschloss sich zur Abwechslung mal mit europäischem Spitzenfußball zu beschäftigen. Wie üblich in diesen Kreisen blieb das Ganze erst mal recht schwammig. Während des in der Sch****_Titanic dann doch nicht übertragenen Hinspiels Celtic – FK Teplice rief unser Fahrer in spe an. „Was ist jetzt? Kommt ihr mit? Ich bekomme frei – braucht ihr auch ein Zimmer?“ „Echt – wir fahren wirklich? Mach mal ein Doppelzimmer für uns mit klar; ich guck mal, was mit Karten geht. Hast du Doc D. schon erreicht?“ Nach einigen Verwirrungen der Rubrik „dumm gelaufen“ war alles nötige geregelt. Am Mittwoch um neun (noch 9 Stunden bis Anpfiff) trafen wir uns alle zur Abfahrt. Nur Herr „mein Cousin heißt Larsson“ tauchte aus bis heute mysteriösen Gründen nicht auf. Nach 3 verstrichenen akademischen ¼ Stunden brachen wir schließlich zu viert auf. Die Fahrt verlief mit einer guten Mischung aus Landstraße (Lüneburg bis Wolfsburg!) und Autobahn durchs idyllische Erzgebirge über Oberhässlich und Elend bis zur Grenze. Papiere abgeben – warten. Wer ist in der Gewalttäter-Sport-Kartei-Scherze – warten. „Ihr Fahrzeugschein liegt nur in kopierter Form vor. Damit dürfen Sie Ihr Fahrzeug nicht über die Grenze bewegen.“ Tja, vor jeder Wäsche die Taschen kontrollieren oder rechtzeitig zum Tesafilm greifen und lästige Bastelarbeiten nicht immer verschieben, gelle?! Nach kurzer Beratung ging‘s zurück nach Altenberg (noch 2 ½ Stunden bis Anpfiff). Im mit heimischen Schnitzarbeiten überdekorierten Café „Erzgebirge“ wurde ein Taxi nach Teplice sowie 4 Schnäpse auf den Schreck geordert. Unser aufgelöster Fahrer war in seiner Aufgeregtheit etwas laut zur sehr freundlichen Bedienung, die dies aber gelassen hinnahm. Das Taxi kam dann unerwarteter Weise so schnell, dass 2 bestellte Schockbierchen hastig gekippt werden mussten. Besser ist das (nur noch 2 Stunden bis Anpfiff). In dichtem Schneetreiben ging es erneut zur Grenze, wobei unser Fahrer a.D. durch vorlaute Preisgabe der kurz zuvor erworbenen Streckenkenntnisse zu glänzen versuchte, was wir mit einem „der Mann wohnt hier und wird das wohl selbst am besten wissen, Angeber“ rasch zu unterbrechen wussten. Diesmal ging alles glatt und schneller, vielleicht weil der Chauffeur mehr oder weniger der Wahrheit entsprechend, auf die Frage ob man zum Fußball wolle mit „ich nicht“ antwortete. Unterhalten von Wissenswertem und Vorurteilen des Grenzbewohners über jene auf der tschechischen Seite erreichten wir Teplice. Nach mehrfachen Befragungen von Einheimischen (O-Ton „Das liegt genau gegenüber des hässlichsten Gasthauses der Stadt, das ist giftgrün, das können Sie nicht verfehlen.“) schafften wir es auch das „Panorama“ Hotel zu finden. Ob oberschlaue Hinweise wie „das muss oben liegen; sonst hieße es ja nicht Panorama“ da weiterhalfen, sei dahingestellt. An der Rezeption (1 Stunde bis Anpfiff) stellte sich dann zur besonderen Freude unseres Fahrers („Das kann doch nicht angehen, die bescheißen uns hier!“) heraus, dass wir auf teurere Zimmer umgebucht worden waren. Wir enterten unsere Gemächer – ständig mahnend im Hinterkopf, dass Taxi und Spiel auf uns warteten. Zimmer 341: Voller Freude nach all der Aufregung unerwartet auf dringend benötigte Nervennahrung zu stoßen, wickelte unser Fahrer den vermeintlichen Schokoriegel aus, der auf den Handtüchern lag, bemerkte kurz, dass es sich nicht um Schokolade sondern um weißes tschechisches Maoam handeln müsse und biss gierig hinein. „Baaaaah!!!– Das ist ja Seife“. Er spuckte angewidert aus und lief fluchend ins Bad. Das mit dem Schaden und dem Spott dürfte ja allgemein bekannt sein. Es sei lediglich erwähnt, dass das Zeug so stank, dass sich niemand damit die Hände waschen mochte. Wie es schmeckt trauten wir uns nicht zu fragen. Mit unserem Altenberger Taxi ging‘s zum Stadion (30 Minuten bis Anpfiff). Nach der vergeblichen Netzsuche und der erfolgreichen Ersatzhandysuche kam es endlichen zur ersehnten Familien-zusammenführung inkl. Kartenübergabe (Danke Hose und Tom!). Nach den in Kleingruppen üblichen Suchspielchen schafften wir es zum richtigen Eingang. Dank des großen Andrangs (geschätzte 5000 Celticsupporters und Sympathisanten) wurde verspätet angepfiffen und wir schafften es gerade noch rechtzeitig auf die Ränge. Das Stadion erwies sich als ein kleines (17.000 Plätze) aber feines Schmuckkästchen. Wir standen direkt vor super netten zum Teil sehr St. Paulifilen Celts, die gleich freudig zum Schaltausch aufforderten und in diesem Moment leckeren Tetrapackwein kredenzten. In Zukunft wird also ein Truller-Gedächtnis Schal über der Wiege eines 18 Monate alten Glasgowers hängen, während sich unsereins mit einem nach Rasierwasser stinkenden grün-weißen 0815-Schal, der auch aus Fürth, Bremen oder Leipzig stammen könnte, als Andenken begnügen muss. (Sagen wir mal, die Geste zählt.) Ferner hatte man während des Spiels nette Gespräche („I have to appology for my language“ bezüglich wüster Fluchereien) und Support Nachhilfe. Das Spiel erfüllte nicht das, was wir von einem UEFA-CUP Spiel erwartet hatten und endete 1:0 für die Heimmannschaft. Wahre Gastfreundschaft erwiesen die Teplicer eher außerhalb des Stadions. Nach dem Spiel rutschte (scheiß Glatteis) man in die nächste Kneipe und versorgte sich mit Flüssignahrung und kam schnell mit anderen aus aller Herren Ländern stammenden Celticanhängern ins Gespräch. In ständig wechselnden Bezugsgruppen (ein gefundenes Fressen für Chaostheoretiker) wurden noch diverse Kneipen heimgesucht. Ein feuchtfröhliches Wiedersehen gab es dann in der Hotelbar, wo auch die bisher noch nicht gesichteten üblichen Verdächtigen (hallo Campino!) abhingen. Bis 6 Uhr wurden die letzten Kronen und Euronen gegen Bier getauscht. Das konsequente Leerfegen der Bar verhinderte Schlimmeres. Trotz erweiterter Frühstückszeiten kam nicht unsere gesamte Reisegruppe in den Genuss der wichtigsten Mahlzeit des Tages (besonders hervorzuheben der uns bis dato unbekannte Schimmelkäse „tschechische Art“). Die endgültige Leichenschau fand in der Lobby statt, wo Mysterien der vergangenen Nacht aufgeklärt und frische Anekdötchen ausgetauscht wurden. Dann hieß es für alle „Tschüß Teplice“. Wir wollten die Stadt auch noch mal im Hellen sehen und durch konsequentes Einkreisen fanden wir sogar die Altstadt wieder. Gestärkt in Schädels 1a Gastrotipp erledigten wir letzte Einkäufe und stiegen in die Taxi-Verhandlungen Richtung „Erzgebirge“ in Altenberg ein. In guter alter Tradition war es wie auf der Hinfahrt ein Opel mit sehr nettem Fahrer. Bei strahlendem Sonnenschein wussten wir die beeindruckende schneebedeckte Berglandschaft erst richtig zu genießen. Der Grenzübertritt verlief diesmal ohne nennenswerte Zwischenfälle und das beschauliche Café war auch schnell gefunden. Beim Geldwechsel für’s Taxi fragte die uns vom Vortag bekannte Kellnerin, ob sich „der Kollege beruhigt“ habe und die Seifengeschichte wird bestimmt noch lange im Dörfchen die Runde machen. Davon unbehelligt managte unser wieder im Amt befindliche Fahrer die Rückfahrt souverän. Von allen an alle Beteiligten ein Riesendankeschön für diesen äußerst spaßigen Kurztrip! (Bericht aus Hossa Nr. 31)
03.03.2004, [CSC-User (in Hossa)]