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Another Day in Paradise! – Celtic vs. Barca

Scheiß kurzfristige Auslosung und keine billigen Flüge. Jedem der deswegen nach Amsterdam-Schipol ausweicht um einen billigen Flug zu nehmen, dem sei gesagt, dass das eingesparte Geld spätestens bei den Parkgebühren am Flughafen wieder futsch ist. Da hätte ich doch gleich ab Lübeck fliegen können... Gut vier Stunden nach den Terroranschlägen von Madrid, bekommt auch das Wort Grenzkontrolle und Durchsuchen eine neue Dimension. Ohne Gepäck, dachte ich noch der langen Schlange entkommen zu können, doch leider wurde ich von einem Grenzer abgefangen. Nachdem wir dann die Prozedur hinter uns hatten, sagte der Grenzer zu mir, dass gerade entschieden worden sei, dass das Spiel in Glasgow nicht gefährdet ist. Außerdem wollte er noch wissen, woher ich mein Ticket bekommen würde, aber da brach ich das Gespräch ab. In Glasgow angekommen, machte ich einen kleinen Rundgang im Gallowgate durch diverse Kneipen. Barca-Fans saßen aber lediglich in der Bar 67. Diese waren der Meinung, dass es heute ein Freundschaftsspiel werden wird (wegen der Anschläge?) und außerdem hätten sie sich für das Rückspiel in Barcelona alle zwei Tickets gekauft, damit sie den Celts ohne Karten dann welche „geben“ könnten…. Mein Ticket fürs heutige Spiel, das bei Barmann hinterlegt war, holte ich dann ab. Beruhigt, aufgrund der Tatsache dass ich jetzt mein Ticket in Händen hatte, ging es so langsam Richtung Stadion. Da ich ja sowieso immer gern zeitig ins Stadion gehe, war es heute sehr angenehm, dass aufgrund der Anschläge in Madrid, auf die übliche Beschallung durch Musik und Werbung im Stadion verzichtet wurde und guter Stimmung nichts mehr im Wege stand. Ich habe schon ziemlich oft eine Gänsehaut bei YNWA im Celtic Park bekommen, besonders beim letztjährigen Viertelfinalspiel gegen Liverpool mit Gerry life on the Pitch, aber das diesmal, im Gedenken an die Terror-Opfer, steht gaaanz oben auf der Liste. Neu war mir persönlich, eine Schweigeminute im Celtic Park und ich gestehe, dass es nicht minder beeindruckender ist, 60.000 Durchgeknallte schweigen zu „hören“. Alles stand still – die Antwort auf das antispanische Gegröhle von 3 – 4 Barca-Fans, war ein sich kurz steigerndes „Buuuh“, mit wieder absoluter Ruhe danach (Wobei ich die Antirufe jetzt hier nicht bewerten möchte). Es war das 74. Heimspiel seit August 2001, als Celtic die letzte Heimniederlage kassierte (0:1 gegen Ajax, nach 3:1 auswärts). Alle hatten ein wenig Schiss, dass diese Stolze Serie nun heute reißt, bei der Verletzungsmisere (ohne Sutton, Maloney, Hartson, Valgaeren, Mjallby). Von wegen Freundschaftsspiel, da war richtig Pfeffer drin! Nach Saviolas Tritt, konnte ich wenigstens die dritte Rote Karte live aufm Feld miterleben, die anderen beiden waren ja außerhalb des Spielfeldes. Auch auf den Rängen war einiges los. Der Support war davon geprägt, dass alle das Gefühl hatten, dass hier der Grün-Weiße Underdog gegen eine Übermacht spielt und ihre Mannschaft jede Unterstützung braucht, und die hat sie auch bekommen. Eine einzigartige, beeindruckende Atmosphäre über mehr als 90 Minuten und dann der Lohn: CELTIC 1 – Barcelona 0. Die obligatorischen ca. 2.000 Celtic Fans, die um die 86. Minute auch heute wieder das Stadion verließen, um nicht im Verkehrsstau zu stecken, werde ich nie verstehen…. Die Aftergame Party verlief ähnlich euphorisch wie der gesamte Abend, aber leider darf man auch in Glasgow nicht mit Turnschuhen in die Disco, sodass unser Abend in einer Hotel-Bar endete und anschließend aufm Fußboden eines Hotelzimmers. Die Rücktour am nächsten Tag verlief reibungslos. Müde, kaputt, pleite und um ein unvergessenes Erlebnis reicher, war ich zurück in Rendsburg. (Bericht von Thopö aus Nachgetreten Nr. 15)
05.03.2004, [Thopö (in Nachgetreten)]