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Berichte
AC Milan vs. Glasgow Celtic FC 3:1 (1:0), 29.09.2004, 52.648 Zuschauer (ca. 11.000 Gästefans)
Ne wat schön, endlich wieder Champions League mit Celtic. Nach meinem letzten gesehenen Spiel in Lyon wurde es aber auch mal wieder Zeit. Klar, UEFA-Cup Spiele wie z.B. in Barcelona haben auch ihren Reiz aber die CL ist halt doch irgendwie eine andere Welt.
Am frühen Mittwochmorgen wurde ich dann noch schlaftrunken von meinem Mitfahrer und Italienexperten EFFI zu Hause abgeholt. Um kurz vor 7 Uhr erreichten wir schon den ehemaligen Militärflughafen Frankfurt-Hahn, von wo aus es für wenige Euronen in die zweitgrößte Stadt Italiens gehen sollte. Im Terminal liefen schon die ersten deutschen, irischen und luxemburgischen Celtic Supporter herum.
Nach gerade einmal 50 Minuten landeten wir dann auch schon wieder. Echt der Wahnsinn. Maschine hebt ab, gleitet ein wenig und setzt wieder zum Landeanflug an. Dadurch hat man dann natürlich auch was vom Tag denn nach nur kurzer Wartezeit fährt auch schon wieder der Shuttlebus nach Mailand. Eine einfache Fahrt kostet übrigens 6 Euro, für ein Returnticket bezahlt man 11 Euro. Es besteht zwar noch die Alternative vom Flughafen Bergamo (dort landet man nämlich und nicht in Mailand) zum dortigen Bahnhof zu fahren und von dort per Regionalzug weiter aber das dauert erstens länger und ist zudem auch noch etwas teurer. So kamen wir also schon sehr früh um 11 Uhr am Mailänder Hauptbahnhof an. Nach einiger Orientierungszeit fanden wir auch den Weg zu unserem Hotel, dass ein paar Meter von der Metrostation „Lima“ entfernt lag. Der Blick auf das Hotelschild mit nur einem * ließ nichts gutes erahnen aber als wir dann nach einiger Wartezeit das Zimmer beziehen konnten waren wir doch positiv überrascht. Zudem gab es kein Problem noch ein drittes Beistellbett extra zu bekommen. Für 80 €uro (TV, Toilette & Dusche gab´s auch noch) hatten wir dann -wie sich in einigen Gesprächen herausstelle- auch einen guten Griff getan. Ich kann also allen Milan-Urlaubern das Hotel Ambrosiana (gebucht über http://www.venere.com) nur empfehlen. Für nicht all zu anspruchsvolle Menschen genau richtig. Liegt außerdem auch nur einen Fussmarsch von 15 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt in der „Via Plinio 22“.
Nachdem mit Hose auch der Dritte Zimmerbewohner eingetroffen war konnte es richtig losgehen. Clever wie wir sind wollten wir uns natürlich vor dem Besuch des Domplatzes (der als Haupttreffpunkt der Celts diente) noch mit Bier eindecken. Dies gestaltete sich in Italien aber gar nicht so einfach. Hab ich in Deutschland noch die Qual der Wahl mit zig Supermärkten und im Notfall noch Büdchen und Tankstellen so gibt es in Mailand da nicht gerade eine vernünftige Auswahl. Mit dem richtigen Riecher und immer in die Richtung woher die Einkaufstüten kamen erledigte sich aber auch dieses Problem.
Bei Ankunft am Duomo di Milano, des größten gotischen Bauwerkes in Italien, waren gerade ein paar junge Celtic Supporter dabei eine angebliche englische Flagge abzureißen und durch die irische Trikolore zu ersetzen. Die Arbeit hätten sie sich eigentlich sparen können, da es sich nicht um das St. Georges Cross und damit die Flagge von England handelte sondern um die Stadtfahne von Mailand, der Hauptstadt der norditalienischen Region Lombardei. Nun gut, der Wille zählt ;-)
Ich weiß nicht wie viele Grün-Weisse vor dem Dom waren aber es war eine stattliche Anzahl. Die großen Celtic Supporters Clubs hatten wie immer ihre riesigen Clubbanner zur dekoration des Platzes dabei. Immer wieder hingen auch einige Celts ihre Banner am gegenüberliegenden Gebäude herunter. Ich nutzte die Zeit um erst einmal die Ticketfrage zu klären da ich mich mit meinem Bekannte Ally und seiner Freundin Linda zur Übergabe treffen wollte. Beim herumlaufen traf man dann unweigerlich auf weitere Leute. Die St. Pauli Fraktion war mit mindestens 40 Leuten vor Ort und stellte wie gewohnt den größten Teil der deutschsprachigen Celtic Supporter. Aber auch hier viele neue Gesichter die ich noch nie gesehen hatte. Weitere Deutsche die ich gesehen habe waren von Mönchengladbach, Köln, Fürth, Dortmund und Düsseldorf. Vom Black Forrest CSC hab ich leider niemanden getroffen vielleicht kann man das ja mal irgendwann nachholen. Wäre schon interessant die Jungs auch mal kennen zu lernen. Kommen wir wieder zu den Tickets zurück. Für 31 Euro war man dabei. Merkwürdig das meine ursprünglich anvisierten Karten für den 2. Rang im Stadion –also genau über der Celtic Kurve- nur die Hälfte kosteten. Die Leute mit diesen Tickets kamen natürlich später auch alle ins San Siro Stadion.
Sehr zeitig machten wir uns dann in Richtung Stadtteil „Lotta“ auf, indem der Ground liegt. War auch gar nicht so schlecht denn ein gut zu Fuß sollte man schon sein wenn man die Straßenbahnen vermeiden will. Einige unverschämt teure Bier und ein leckeres Baguette später ging es dann zu unserem Ziel. Der direkte Weg zur Nordkurve, wo die Gästefans untergebracht waren, war aber durch die Polizei versperrt und so musste man noch einmal per pedes ums San Siro herum. Irgendwann waren wir aber am Stadion. Offiziell bekam Celtic 8.000 Karten aber der Andrang war nicht so groß und sogar ein paar Tage vor dem Spiel konnte man noch Tickets in Glasgow erwerben. Vor dem Eingang versuchten auch noch genug Celts ihre übrig gebliebenen Eintrittskarten los zu werden. Die Kontrolle am Eingang war mehr als lasch und vorzeigen musste ich meine Karte auch nicht. Wir zogen es vor den rechten Bereich anzusteuern da hier noch genug Platz war. Zufällig konnte ich hier wiederum ein paar Bekannte erspähen mit denen es natürlich immer lustiger ist ein Spiel zu verfolgen.
Das Stadion war angeblich nur mit 53.000 Zuschauern gefüllt, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen da ja über 80.000 reinpassen. Auch egal ! Ich denke mal das der Gästeanhang mindestens eine fünfstellige Anzahl von Bhoys & Ghirls mitgebracht hatte. In einigen Bereichen war es doch sehr voll.
Zu Beginn kam nix außergewöhnliches aus der Südkurve der Milan Tifosi. Doppelhalter, Transpis etc. Bei Celtic das gewohnte You´ll never walk alone wie zum Beginn jeder Halbzeit und ohrenbetäubender Lärm als die Spieler den Huddle machten.
Dann ging´s auch schon mit Volldampf von Milan los und nach nur 8. Minuten zeigte Andriy Shevchenko warum er zu den weltbesten Torjägern gehört als er ohne Probleme die Vorlages des Brasilianers Kaká im Netz versenkte. Da war´s erstmal Still bei den Celtic Supportern und die „Fossa die Lioni“ und „Brigate Rossonero“ spulten ihr Programm in der AC-Kurve ab. Für Celtic gab es nur eine Chance durch Varga und kurz vor der Halbzeit hätte Milan sogar noch den –ich muss es leider sagen- verdienten zweiten Treffer gemacht aber Torwarttalent Marshall verhinderte schlimmeres.
Die zweite Halbzeit war dann in meinen Augen der Hammer. Zum einen von der Stimmung der „Grün-Weissen“ her und natürlich auch vom Spiel des Celtic FC. Ein unglaublicher Druck wurde aufgebaut und Milan förmlich an die Wand gespielt. Ist schon geil wenn tausende Leute ihre bekannten Celtic Lieder und Rebel Songs singen. In meinen Augen gibt es kaum eine Stimmung, eines anderen Vereins auf der Welt, die da mithalten kann. Verdientermassen fiel dann auch 15. Minuten vor Schluss durch Abwehrspieler Stanislav Varga der verdiente Ausgleich. Ein richtiger Hammerkopfball. Die Stimmung war jetzt auf dem Siedepunkt und meine Stimmbänder verabschiedeten sich so langsam. Aber es kam wie es kommen musste. Statt des ersten Auswärtspunktes für Celtic erzielte der eingewechselte Filipo Inzaghi in der 89. Minute das 2:1 für Milan. Der Treffer zum 3:1 in der Nachspielzeit war dann auch egal. Das war es dann auch in diesem Jahr mit der Qualifikation für die nächste Runde. Ziel kann jetzt nur sein Donezk hinter sich zu lassen und auch das wird schwer genug.
Nach Abpfiff wurde die Mannschaft trotzdem -vor allem wegen der grandiosen zweiten Hälfte- gefeiert und beklatscht. Einzig Shevchenko, der sich bei der Celtic Kurve für die Atmosphöre bedankte- bekam dann als einziger gegnerischer Spieler keine Schmähungen zugerufen. Danach eine Blocksperre von rund 45 Minuten obwohl eigentlich alle nur noch raus wollen. Für ein wenig Abwechslung sorgte der Greenkeeper des Stadions mit seiner Rastamähne und entsprechender Kopfbedeckung der mit „There´s only one Bob Marley“ gefeiert wurde und artig zurück winkte.
Nach ein wenig umherirren rund um das Stadion –ich hab übrigens keinen einzigen Milan Tifosi mehr gesehen- wurde kurz vor Mitternacht die Metro zum Duomo genommen. Fahren übrigens nur bis Mitternacht Bahnen und danach werden die Station verrammelt. Noch kurz mit anderen St. Paulianern telefoniert die sich in einer Milan-Mutantenkneipe aufhielten. Wir jedoch fanden nix mehr in der Innenstadt. Ganz schön arm für so eine Metropole, es kamen Erinnerungen an das genau so miese Nachtleben von Lyon auf. Da ja wie oben schon erwähnt die Metro Stationen zu waren liefen wir wieder zu unserem Hotel zurück und da war auf einmal alles auf. Amerikanische Fressbuden und auch zwei Kneipen. Der Abend wurde dann mit ein paar Bierchen beendet.
Am nächsten Morgen trennte sich unsere 3-Zimmer-Crew. EFFI fuhr zu seinen Kollegen von den „Freak Brothers Ternana“ nach Terni um dort noch eine Woche zu bleiben. Hose besuchte eine Bekannte und ich machte ein wenig Sightseeing, denn schließlich muss man ja wenigstens mal den Dom von Innen und vor allem von oben mit Ausblick auf die Stadt (141 m hoch, heraufkraxeln kostete 3€) besichtigt haben. Die Scala ließ ich Scala sein da sie eh mit Baugerüsten verhangen war. Gern hätte ich noch das Abendmahl-Freko von Leonardo da Vinci im Kloster Santa Maria delle Grazie besichtigt aber dafür hätte man sich vorher telefonisch anmelden müssen. So blieb dann nur noch ein Abstecher zum Schloss. Dort und wieder am Domplatz wurde noch ein wenig bei fantastischem Wetter gechillt bzw. eigentlich war das gar nicht möglich denn was da für Grazien rumstolzierten ging gar nicht. Aber wohl kein Wunder wenn Mailand einer der Modehauptstädte der Welt sein will.
Mein Mönchengladbacher Trio das ich treffen wollte brach schon ein wenig früher als ich und Hose auf. Wir beiden fuhren etwas später zum Busbahnhof (Einzelticket günstige 1 Euro, unser 24-Std.Ticket –nur zu empfehlen, kost nur 3 Euro- war leider schon abgelaufen) und deckten uns noch mit ein paar 0,66 l (komische Masseinheißten haben die in Italien) Pullen Bier für die Rückfahrt ein. Fast pünktlich konnte es auch losgehen und wir hatten Glück das wir nicht noch einen Bus später genommen hatten denn der Berufsverkehr in und um Mailand war einfach Hölle. Das dabei natürlich ein wahrer Kampfstil gefahren wird und Fußgänger Freiwild sind brauche ich ja eigentlich nicht zu erwähnen. Trotz des früheren Starts der MG-Celts kamen wir fast zeitgleich am Flughafen „Orio al Serio“ an. Alles war im Lot, super gelaufen. Tja aber nur bis ich am Check-In-Schalter auftauchte, denn dann passierte etwas was ich mir in meinen schrecklichsten Träumen nicht ausgemalt hatte. Ich hatte ein falsches Rückflugdatum gebucht meinte der Ryan-Air Mitarbeiter ! Zack, Schlag in die Fresse. Adrenalinschub olé ! Konnte doch nicht sein dachte ich mir, Marco aka Mr. Hundertprozent-Organisator macht keine Fehler. War aber leider so. Und einen Tag vor Silvester wollte ich wirklich nicht erst von Bergamo zurück. Also Tasche gepackt ab zum Infoschalter. War nicht mehr viel Zeit. 20:00 war letztes Check-In. Wie das so ist vergeht dann die Zeit natürlich megaschnell. Vor mir einige niederländische Celtic Supporter die ihren Flieger nach Charleroi verpasst hatten und auch schon Horrormeldungen von der Bediensteten bekamen. Zehn vor Acht, noch ein Celtic Duo vor mir. Schweiß in den Händen und auf der Stirn, schon einmal bei den Kollegen nach Geld gefragt. Fünf vor Zehn, die Mitarbeiterin fragt wer nach FFM/Hahn will. Ein Fingerzeig meinerseits und schon durfte ich vor. Problem erklärt und sofort abgeschmettert worden, wäre mein Fehler. Buchungssystem und Datenbank sind unfehlbar. Alternative am nächsten Morgen für 160 Euro zurück oder jetzt sofort für 216 Euro. Wenn man bedenkt das ich eigentlich für Hin- und Rückflug nur 55 Euro bezahlt hatte schon ein Hammer. Tja aber wat soll´s. Kreditkarte von MG-Kollegen André gezückt (noch mal Danke ! und ich sag auch nie wieder was böses über Borussia) und gaaaaaaaaaaanz schnell zum Check-In-Schalter gerannt wo Hose dafür gesorgt hatte das auch kurz nach 20 Uhr noch auf war. Alles erledigt ab in die Wartehalle wo wir schon erwartet wurden und ab zum Flieger. Tasche in den Stauraum und geschafft ! Uuuuuuuffffffffffzzzzzzzzz ! Was für ein Stress. 50 Minuten später wieder in Hahn gelandet und nach dem wir Hose am Kölner Hauptbahnhof raus gelassen hatten ein paar Minuten später ins heimische Bettchen gefallen wo fast gar keine Zeit mehr war mal ein paar klare Gedanken über den Mist zum Ende der eigentlichen coolen Tour zu fassen denn ein paar Stunden später klingelte wieder der Wecker. Auf zum Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf mit Rahmenprogramm aber dazu an anderer Stelle mehr.
(Bericht von ABFTOB von http://www.diefeuchtenbiber.de)
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| 29.09.2004, [ABFTOB von http://www.diefeuchtenbiber.de] |
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