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Celtic FC – Dunfermline: Ein Wochenende in Glasgow (11.03.2005 - 13.03.2005)

Kann man Mitglied eines Celtic Supporters Clubs sein, ohne je ein Spiel im Celtic Park gesehen zu haben? Natürlich – aber etwas seltsam ist es eben auch. Und so musste es also her, das erste Heimspiel im Paradise, wobei die Erwartungen nicht sonderlich hoch waren. Zu oft hatten im Vorfeld jene, die schon mal dort gewesen waren, von schlechter Stimmung und eher langweiligen Kicks berichtet.

Dank der neuen, recht günstigen Ryanair-Verbindung von Lübeck nach Glasgow-Prestwick ging es am Freitagnachmittag, dem 11. März, für 10 Mitglieder des St. Pauli CSC plus Anhang also endlich ins gelobte Land. Zwar war der raue Ton der vermutlich schwer unterbezahlten Ryanair-Mitarbeiterinnen etwas gewöhnungsbedürftig und ging Jannikas Gepäck verloren, doch sonst stimmte bei ca. 55 Euro pro Returnticket das Preis-Leistungsverhältnis. Fanden offenbar auch zahlreiche Mitglieder der St.Pauli Fanclubs „Veteranen“ und „Youngtimers“, die mit im Flieger saßen.

In Prestwick angekommen, gings gleich mit dem Zug (Fahrtzeit ca. 45 Minuten) in die Stadt und weiter in die verschiedenen vorab gebuchten Hotels. Wir hatten uns für das Euro Hostel, nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, entschieden. Ein Jugendherberge eher schlichten Stils – aber wir brauchten ja eh nur ein Bett zum Schlafen. Dank Andys Orga-Talent hatte es damit aber noch etwas Zeit, denn wir waren erst mal zu einem Celtic-Konzert auf der Renfrew Ferry am Clyde River verabredet. Auch wenn wir nach und nach eintröpfelten, funktionierte der Einlass ziemlich reibungslos, und tatsächlich spielte auch schon die erste Band die allseits beliebten Rebel Songs und mehr. Vor allem „Willie Maley“, mein Alltime Celtic Favorite, hatte wieder Gänsehaut-Format. Die festgemachte Fähre war bereits recht gut mit Hoops-Trägern gefüllt und einmal als St.Paulianer erkannt, gabs sofort freudige Umarmungen, jede Menge gedrückte Hände, strahlende Gesichter und bis zum Rand gefüllt Guinness-Gläser. Erstaunlich wieder einmal, welches Trinktempo die Celts vorlegen. Natürlich brachten wir unser CSC-Banner über der Bühne an, auf der neben Declan McGlaughlin aus Derry, Terry O’Neill aus Belfast und Gary Og aus Glasgow auch einige Shebeen-Mitglieder standen. Ein schöner, bierselig-durchsungener Abend, der für mich gegen halb zwei im Gitterbett des Euro Hostels endete.

Auch ohne Absprache wurde am Sonnabendmorgen der Celtic-Shop in der Argyle Street (ganz in der Nähe des Bahnhofs) zum ersten großen Treffpunkt. Ausgehungerte Merchandise-Junkies schlichen durch die Gänge und sackten ein, was die Kreditkarte hergab. Da wurde dann auch das erste zehn Pfund teure Celtic-Trikot mit „ST PAULI CSC“ beflockt. Eine Idee, die bis zum Sonntagmittag noch zahlreiche Nachahmer fand; sieht aber auch wirklich verdammt gut aus... Irgendwann stellt sich für Pia, Jannika und mich dann die Frage: Wie zum Stadion kommen? Zu dumm, dass wir uns darum vorab gar nicht gekümmert hatten. Auf Christophs Tipp hin gingen wir zum großen Busbahnhof hinter den Buchanan Galleries (ein Shopping Center) – doch keine Hoops zu sehen. Nachdem ein Busfahrer uns mitgeteilt hatte, es fahre zwar bald ein Bus, aber der brauche „mindestens 30 Minuten“ (und wir nur noch eine gute Stunde Zeit hatten), entschieden wir uns fürs Taxi. Als wir dem Fahrer unser Ziel, Celtic Park, nannten, schlug der sich erst mal die Hand vor die Stirn und ließ den Kopf verzweifelt aufs Lenkrad sinken. Offenbar ein Rangers-Fan, der sich dann aber seinem Schicksal ergab, „No problem“ murmelte und losfuhr. Nach zehn Minuten Fahrt durch öd-tristes Gelände tauchten plötzlich immer mehr Celts auf den Straßen auf, und dann war er da, der Celtic Park, umgeben von fliegenden Händlern, die Fanzines, Schals, Flaggen, Pins und Bücher anboten, sowie zahlreichen Karteninhabern, die überzählige Tickets loswerden wollten. War schon ein besonderer Moment, endlich an diesem Ort zu stehen, von dem ich vorher so viel gehört und gelesen hatte. Übertroffen wurde das nur noch vom ersten Blick auf den heiligen Rasen und in die (noch) recht leeren Zuschauerränge, die sich tatsächlich erst mit dem Anpfiff richtig füllten. Was dann kam, entsprach so exakt allen Vorhersagen, dass es beinahe etwas Unwirkliches hatte: 58.908 Zuschauer (darunter ca. 40 aus Dunfermline) schwiegen. Kaum zu fassen, aber wahr: Null Stimmung, keine Anfeuerung, nix. Lediglich die Kinder in unserem B-- LOCK riefen mit ihren dünnen Stimmchen „Celtic, Celtic“ oder bliesen nervtötend in irgendwelche Tröten, die wir ihnen am liebsten den ... ach, lassen wir das. Stimmung kam nur bei den sechs Toren (davon vier in elf Minuten) auf, da wurde dann auch mal John Hartson besungen.

Stellt sich natürlich die Frage, woran liegt so was. Gewiss spielt eine Rolle, dass es sich beim Celtic Park um ein reines Sitzplatzstadion handelt, was per se die Stimmung tötet. Wer sitzt, singt eben (eher) nicht. Ähnliche Erfahrungen habe ich jedenfalls in Barcelona und Cardiff gemacht. Außerdem sorgen Ticketpreise von 25 Pfund dafür, dass jugendliche Stimmungsmacher in der Minderheit sind. Hauptgrund für die laue Atmosphäre scheint mir aber der Klassenunterschied in der SPL zu sein. Dunfermline hatte jedenfalls während der 90 Minuten nur eine Halbchance und lediglich Regionalliganiveau. Der Celtic-Sieg war zu keiner Sekunde in Frage gestellt und so wirkte das Publikum dann auch. Man wickelte eine nette Routineveranstaltung ab. Wäre sicher anders, würde Celtic (wie viele wünschen) in der englischen Premiere League mitspielen. Dann gäbe es endlich einen echten Wettbewerb und spannende Spiele, die zusätzlich von der England-Schottland/Irland-Rivalität befeuert werden. Aber ob es dazu je kommt...

Nach dem Schlusspfiff waren wir vor allem daran interessiert, unseren Durst zu stillen. Und zwar nicht irgendwo, sondern im legendären Brazen Head. Dumm nur, dass wir uns vorab ebenfalls nicht drum gekümmert hatten, wie wir vom Stadion wegkommen sollten. Und so trotteten Andy, Christine, Schädel, Flo, Pia, Jannika und ich erst mal grob in die Richtung in der Hoffnung, ein Taxi (bzw. zwei) zu erwischen. Daraus wurde allerdings nichts und am Ende hatten wir dann doch die komplette Strecke (geschätzte fünf Kilometer durch eine teilweise ziemlich abgerissene Gegend) zu Fuß zurück gelegt. Der etwas andere Stadtrundgang... Immerhin gabs im Brazen Head, der bekanntlich mit zahllosen Trikots (auch ein „Böklunder“ von St.Pauli), Postern, Autogrammen, Spielprogrammen etc. geschmückt ist, reichlich leckeres Guinness und später auch noch einen Auftritt von Gary Og. Kurioserweise waren zwischenzeitlich gar mehr St.Paulianer als Schotten vor Ort. Auf jeden Fall wurde es ein kurzweiliger Abend bei dem auch wir CSC’ler untereinander mal mehr in Kontakt miteinander kamen. Hatte was von einer Klassenfahrt und war wirklich sehr nett.

Sonntag blieb dann nicht mehr viel Zeit, da wir bereits um 12 Uhr den Zubringerzug zum Flughafen nehmen mussten, so dass die eigentlich geplante Stadion-Tour aufs nächste Mal verschoben wurde. Vielleicht im Herbst? Vielleicht ein paar Tage länger? Wer weiß... Gelohnt hat sich die Tour auf jeden Fall – auch wenn ich das nächste Mal wohl eher versuchen würde, an eine Karte fürs Old Firm zu kommen oder ein Champions-League-Spiel zu sehen. Trotzdem: Gerade für alle, die noch nie da waren ist Glasgow ganz sicher ein verlängertes Wochenende wert. (Il Presidente)
21.03.2005