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Glasgow is Green-White! Rangers FC – Celtic FC 1:2 (0:2) - 28. April 2005 Ibrox Park

Auch wenn Martin O´Neill (Trainer von Celtic) es vorm Spiel nicht gerne hören wollte, aber das letzte Old Firm in dieser Saison sollte Meisterschaftsentscheidenden Charakter haben. Nach einem Auf und Ab an der Tabellenspitze in den letzten Wochen, hatte Celtic nun vorm 366. Aufeinandertreffen (erstmals wurde das Old Firm 1894 ausgetragen) der beiden Glasgower Vereine in der Tabelle 2 Punkte Vorsprung. Für Spannung war vor dem fünftletzten Spiel der Saison also gesorgt.

Nach dem oberlangweiligen 0:2 in Chemnitz und einer fast schlaflosen Nacht am Londoner Flughafen, erreichte ich am Sonntagmorgen dann Glasgow. Als Frühstück und andere Sachen abgehandelt waren, ging es dann auch schon Richtung Ibrox, da das Spiel aus Sicherheitsgründen schon um 12.30 Uhr angepfiffen wurde (Auch der Bierverkauf in Supermärkten/Kiosken und Kneipen war bis zum Anpfiff verboten). Erwartet hatte ich eigentlich, dass der Anmarsch, aufgrund des 4-tägigen U-Bahn Streiks ziemlich chaotisch wird, aber da hatte ich mich getäuscht. Der Anmarsch ist eigentlich auch ganz einfach bzw. strukturell geregelt. Aus dem Teil Glasgows in dem überwiegend Katholiken wohnen, strömten die Celtic Fans und aus dem anderen Teil Glasgows kamen die Rangers zum Stadion. Dort wurden beide Seiten durch Polizeiketten getrennt. Karten wurden auf dem Schwarzmarkt nicht mehr angeboten, man sah hier und da Fans mit Geldbündeln wedeln, aber die dürften wohl trotzdem kaum eine Chance gehabt haben an eine Karte zu kommen. Ebenso war ein Fan am Stadioneingang gescheitert, als er dem Ticketabreißer statt einem Ticket, ein Batzen Geld in die Hand drückte.

Ca. 7.500 Celtic Fans bevölkerten dann den Ober- und Unterrang, also die komplette Tribüne hinterm Tor. Uns gegenüber standen ca. 42.500 blau oder/und orange gekleidete Kasper. Celtic war von Anfang an, aufm wie Platz wie auch auf den Rängen klar überlegen. Dies änderte sich natürlich auch nach der 1:0 Führung für Celtic durch Petrov nicht. Nach seinem Kopfballtor rannte Stilian Petrov in die Rangers Kurve, und zeigte denen wie man sich über ein Tor freut. Klar, dass sich da einige provoziert fühlten und infolgedessen flog dann dem Torschützen ein Colabecher (aus Pappe) an den Kopf. Ein Vereinsoffizieller der Rangers erklärte im Nachhinein, dass sie nach dem „Täter“ fahnden und falls er identifiziert werden kann, wird er lebenslanges Stadionverbot bekommen. Mittlerweile haben die Rangers insgesamt 258 Stadionverbote (davon 14 lebenslange) ausgesprochen.
Weiterhin war Celtic am Drücker, und folglich fiel auch das 2:0 durch ein wunderschönes Tor vom seit Wochen überragenden Waliser Craig Bellamy. Nun gab es im Celtic-End kein halten mehr. Die Stimmung war bestens, immer wieder hallte es „Easy, Easy, Easy“ aus dem Celtic Block. In der zweiten Halbzeit hätte Beattie eingentlich alles klar machen können/müssen und so wurde es noch mal spannend. Nachdem das kollektive Abwandern auf Seiten der Rangers Fans ab der 80. Minute begonnen hatte und die Celtic Fans einen Rebel Song nach dem anderen zum Besten gaben, schoss deren Mannschaft 6 Minuten vor dem Ende noch das 1:2. Nun war das Große Zittern angesagt, das Gefühl in dem Minuten zu Stunden werden überkam mich. Noch ein, zwei Vorstöße der Rangers mussten überstanden werden und dann war es geschafft. Grenzeloser Jubel bei Fans wie auch bei Spielern. Szenen spielten sich ab, wie damals in Porto nachdem gerade das Uefa-Cup Finale erreicht wurde. Die wenigen Rangers Fans die sich jetzt noch im Stadion befanden, hatten nichts Besseres zu tun als mit UVF Fahnen und sonstigem Schrott zu provozieren. Während des Spiels gab es allerdings keine sektiererischen oder rassistischen Gesänge von den Rangers, außer wenn Neil Lennon (der oft Opfer von sektiererischen Angriffen ist) in Ballbesitz war, wurde er auffallend laut ausgebuht. Harmloser waren die Rangers Fans wohl bei noch keinem Old Firm. In den letzten Monaten wurde immer wieder versucht, mit bestimmten Aktionen an Schulen („Old Firm Alliance“ Kampagne) oder auch mit strikteren Bestimmungen in der Stadionordnung, die religiösen Spannungen zwischen Rangers und Celtc raus zu nehmen. Ob solche Dinge wirklich helfen sei dahin gestellt.

Dass mittlerweile ein neuer Papst gewählt wurde, das hat man auch rund um das Old Firm zu spüren bekommen. Welche Nationalität der Papst hat, das konnte man im Celtic B-- LOCK anhand von 2 Deutschland Fahnen sehen. Außerdem war mehrfach zu sehen, dass Celtic jetzt auch gleichzeitig einen neuen Spieler verpflichtet hat oder warum trugen manche das Trikot mit der Nummer 16 und dem Spiernamen Benedict? Die Rangers Fans provozierten mit Gesängen wie „The Pope is a Nazi“. Das Thema Papst ereilte mich dann auch später wieder am Gallowgate, wo die Old Firm Feierlichkeiten im vollen Gange waren. Denn manche waren der Meinung, dass dadurch dass ich die gleiche Nationalität wie der Papst habe, heute Glück im Stadion gebracht habe….
Na ja, der Alkoholpegel bei den meisten war auch schon ziemlich hoch, da viele nicht im Stadion waren und so schon seit Mittag in der Kneipe waren. Die meisten hielten aber noch bis in die Abendstunden durch und so konnte der Sieg und die Fast-Meisterschaft noch ausgiebig gefeiert werden. Bei jetzt noch vier ausstehenden Spielen und 5 Punkten Vorsprung, sollte sich Celtic den Titel eigentlich nicht mehr nehmen lassen.
28.04.2005